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Berufsbild Product Owner

Produkte sein Eigen nennen.

Als Product Owner (d/m/w) nehmen Sie eine zentrale Position bei der agilen Softwareentwicklung ein, indem Sie die wesentlichen Eigenschaften eines Produktes in enger Abstimmung mit den Stakeholdern vorgeben. Auf Basis von Markt- und Anforderungsanalysen entwerfen Sie Produktvisionen und -strategien. Sie legen Produkteigenschaften fest, priorisieren User Stories im Backlog nach Business Value und entscheiden hinsichtlich der Roadmap darüber, ob die Sprint-Ergebnisse erfolgreich waren.

Typische Aufgaben als Product Owner

  • Konzeption und Monitoring kunden-, bzw. stakeholder-orientierter Produkte
  • Optimierung von Entwicklungsprozessen
  • Definition und Spezifikation der Anforderungen in Form von User Stories und Akzeptanzkriterien
  • Priorisierung des Product Backlog nach Business Value
  • Planung von Sprints
  • Steuerung externer Dienstleister
  • Kommunikation und Verhandlung mit Stakeholdern

Im agilen Entwicklungsteam vertritt man als Projekteigentümer*in die Auftraggeberseite fachlich und sichert den wirtschaftlichen Erfolg des Produktes. In den Worten des Scrum-Guide von Ken Schwaber und Jeff Sutherland, den Begründern der Methode, ist man man damit dafür verantwortlich, “den Wert des Produkts zu maximieren, das aus der Arbeit des Entwicklungsteams entsteht.” Dabei trägt er die alleinige Verantwortung für die Anforderungen der internen oder externen Kunden und Ihre Priorisierung im Product Backlog und darf hier exklusiv Hand anlegen. Das Product Backlog ist eine gewichtete Liste mit allen bekannten Anforderungen eines Produkts, inklusive aller Features, Funktionalitäten und Änderungen. Streng nach Scrum bestimmt alleine der Product Owner, was im nächsten Sprint, also dem nächsten Projektabschnitt, bearbeitet wird. Das jeweilige Scrum-Team nimmt sich dann ausschließlich diese Anforderungen auf die Werkbank.

Grafik zum Scrum-Prozess.
Der PO übersetzt die Anforderungen, befüllt mit diesen das Backlog, plant die Sprints und prüft das Ergebnis. Grafik: J. Kitz.

Die Verantwortung für das Product Backlog geht aber noch weiter. Der Product Owner muss sicherstellen, dass die Product-Backlog-Einträge (Items) verständlich sind, allen zugänglich sind und von allen Teammitgliedern verstanden werden. Diesbezügliche Aufgaben können selbst in die Hand genommen, oder an Mitglieder des Scrum-Teams delegiert werden. Der Product Owner ist es auch, der die “Definition of Done” vorgibt, also festlegt, welche Kriterien ein Inkrement erfüllen muss, um als “fertig” zu gelten. Erst wenn der jeweilige Product Owner das Inkrement abnimmt, gilt der Sprint als erfolgreich. Die Kunst besteht für den Product Owner vor allem darin, die richtige Balance zwischen Eigenschaften, Kosten und Auslieferungszeitpunkt zu finden und den Return on Investment im Blick zu behalten. Um die Bedürfnisse und Wünsche der Stakeholder richtig zu verstehen und abzuwägen, steht er*sie außerdem in stetigem Austausch mit den Auftraggebern.

Aus Stakeholder-Sicht ist man in dieser Rolle allein verantwortlich für die Umsetzung der Anforderungen sowie die Erreichung der Sprintziele und muss im Zweifelsfall Rechenschaft ablegen. Falls die Fertigstellung eines Produktinkrements auch von der Arbeit von externen Dienstleistern abhängt, fällt auch in diesem Bereich noch Steuerung und Koordinierung an. Damit Product Owner ihre verantwortungsvollen Aufgaben bewältigen können, ist es natürlich immens wichtig, dass die gesamte Organisation ihre Entscheidungen respektiert und akzeptiert.

Tools und Methoden, die man kennen sollte

  • Kenntnisse agiler Methoden
  • Erfahrungen im Bereich der agilen Softwareentwicklung
  • sehr gutes Grundverständnis für Softwareentwicklung und neue Technologien
  • hohe Bereitschaft, sich in Techs einzuarbeiten

Für die Arbeit als Product Owner muss man agile Methoden natürlich so gut kennen, wie die eigene Westentasche. Am besten, man hat die theoretischen Frameworks bereits verinnerlicht und das agile Manifest von Schwaber/Sutherland liegt längst unter dem eigenen Kopfkissen. Da der Product Owner eine Rolle aus den agilen Methoden nach Scrum ist, bildet dieses Framework auch den besten Einstieg in die Welt der agilen Softwareentwicklung. Aber grau ist alle Theorie und gelebte Agilität manifestiert sich natürlich vor allem im entsprechenden Mindset. Zudem muss man auf dem Weg zum agilen Vollprofi auch viele Erfahrungspunkte im täglichen Kampf “Agilität vs. Alltag” sammeln. Einschlägige Erfahrungen in der praktischen Anwendung agiler Methoden beeindrucken mögliche Arbeitgeber natürlich am meisten. Schließlich sind die Führung des Product Backlogs und Sprint Planning verantwortungsvolle Aufgaben.

Was agile Methoden angeht, kann man seine Kenntnis-Palette ruhig weit fächern. Denn zu allgemeineren Frameworks wie Scrum gesellen sich in der agilen Softwareentwicklung häufig noch weitere Prinzipien und Methoden. Kanban, Extreme Programming oder Feature Driven Development sind da nur einige Schlagworte. Will man Priorisierungen und und Gewichtungen vornehmen, muss man die Vorgehensweisen des Entwicklerteams natürlich bestens verstehen. Darum sollte man als Product Owner auch ein gutes Verständnis der Technologien mitbringen, die im Scrum-Team entwickelt bzw. eingesetzt werden. Und da das Rad des technologischen Fortschritts nie still steht, empfiehlt es sich hier stetig am Puls der Zeit zu bleiben. Auch Methoden zur Erstellung und Darstellung von Anforderungsanalysen gehören bei Product Ownern zu Repertoire, etwa User Stories.

Methoden und Konzepte

  • Scrum
  • Kanban, XP, FDD etc.
  • Anforderungsanalyse
  • User Stories
  • Sprint Planning

Weitere Grundlage

  • gutes technologisches Grundverständnis

Was sollte man sonst so mitbringen?

  • Studium der IT bzw. Wirtschaftswissenschaft mit technischer Ausrichtung
  • analytisches Denkvermögen und ein Händchen für Zahlen
  • ausgeprägte Kommunikationsstärke (schriftlich und mündlich) sowie souveränes Auftreten
  • eigener Entwickler-Background
  • Zertifikat als Scrum Product Owner (oder Scrum Master), etwa von scrum.org
  • häufig gefragt: Know-how im Produktmanagement
  • Entwicklung von Produktvisionen und -Roadmaps
  • Durchführung von Markt- und Anforderungsanalysen inklusive Meinungs- und Erfolgsermittlung

Ein Studium der IT bzw. Wirtschaftswissenschaft mit technischer Ausrichtung bildet eine solide Basis. Aber natürlich kann auch eine fundierte Ausbildung mit anschließender Berufserfahrung, etwa in der Softwareentwicklung, der Weg zum Ziel sein. Eigene Fachexpertise ist bei Arbeitgebern ohnehin gern gesehen, vor allem ein eigener Background als Softwareentwickler hilft ungemein weiter. Aber auch erfahrene Projektleiter oder Produktmanager aus dem IT- bzw. Softwareumfeld bringen schon einiges an nützlichem Know-how mit. Durch den häufigen Kontakt mit Kolleg*innen, Kunden und Dienstleistern sind ausgeprägte Soft Skills wie Kommunikationsstärke, Verantwortungsbewusstsein und Organisationstalent für Product Owner unumgänglich.

Außerdem ist auch eine stete fachliche Weiterbildung erforderlich, da sich die Ansprüche und Möglichkeiten in der IT-Landschaft schnell entwickeln. Ambitionen zum Product Owner untermauert man diese am besten mit einem einschlägigen Zertifikat. Auf der offiziellen Seite von Schwaber und Sutherland kann man etwa eine Zertifizierung zum “Professional Scrum Product Owner” erwerben. Neben den Aufgaben, die streng nach Scrum anfallen, übernehmen Product Owner in der Praxis häufig Aufgaben, die sich mit dem Feld des Produktmanagements überschneiden. Dazu zählen die Entwicklung von Produktvisionen, die Erstellung von Roadmaps und auch die Analyse von Märkten und Marktanforderungen kann hierzu zählen.

Grafik zu den Aufgaben eines Product Owner.
Die multiplen Persönlichkeiten eines Product Owners. Grafik: J. Kitz.

Wissenswertes zur Karriere als Product Owner

“Product Owner” ist eine Rolle aus dem agilen Framework von Schwaber/Sutherland, genannt “Scrum”. Gesucht werden Product Owner also dort, wo Unternehmen und Organisationen agile Arbeitsweisen in der Softwareentwicklung einsetzen. Da mehr und mehr Arbeitgeber auf ein agiles Mindset setzen, müssen sich Kandidat*innen, die in agile Rollen schlüpfen möchten, kaum Gedanken um den Bedarf machen. Aber ist man einmal in dieser verantwortungsvollen Position angekommen, steht einer Weiterentwicklung nichts im Weg. Auf der einen Seite kann man den deep dive wagen und sich innerhalb der Rolle weiterentwickeln. Vom Neuling der*die schlicht das Backlog und die Sprints führt, kann man sich zur Schnittstelle zwischen Entwicklungsteam und Fachbereichen und gar weiter zum*zur Produktvisionär*in mit Budgetverantwortung und Geschäftssinn entwickeln.

Auch einen Wechsel in die angrenzenden Bereiche kann man in Betracht ziehen. Da man mit dem agilen Framework und der Arbeit der agilen Teams eh bestens vertraut ist, könnte man auch als Scrum Master das agile Mindset der Belegschaft schärfen, Impediments aus dem Weg räumen oder zwischen den Teams moderieren. Durch die Schnittmengen mit dem Produktmanagement kann man bei Interesse auch diese Richtung weiter verfolgen und von der Business-Seite aus marktgerechte Produkte entwerfen.

Wissenswert

  • benachbarte Bereiche: Scrum Master, Produktmanager
  • scherzhaft auch als SCN bezeichnet (single chokable neck)

Und was verdient man als Product Owner?

Für Product Owner gilt das gleiche, wie für alle Positionen in IT und Softwareentwicklung: das Gehalt wird durch viele Faktoren beeinflusst. In Metropolen wird oft mehr verdient, als in der Provinz, Konzerne haben meist tiefere Taschen als Agenturen und die Gehaltsstruktur in der Industrie liegt häufig über der eines Medienhauses. Aber auch hier gilt natürlich, dass Ausnahmen die Regel bestätigen. Zudem hängt das Gehaltslevel maßgeblich von der Erfahrung ab. Schon Berufseinsteiger können sich im Schnitt schon über etwa 43.000 € Brutto im Jahr freuen, da man in der Rolle von Tag eins an massig Verantwortung übernimmt. Mit steigender Erfahrung kann das Gehalt je nach Arbeitgeber dann im Laufe der Jahre auf deutlich über 80.000 € wachsen.

Neben dem rein monetären bleiben aber noch weitere Faktoren bei der Jobwahl zu beachten. Auf spezialisierte Fachkräfte wie Product Owner wartet häufig ein bunter Strauß an Benefits. Legt man wert auf Konzernvorteile wie betriebliche Altersvorsorge und einen bombensicheren Arbeitsplatz? Oder möchte man lieber im Agenturleben mit flachen Hierarchien in der Mittagspause am Kickertisch stehen? Zudem kann man als Product Owner auch im Namen des Consultings im Kundenauftrag unterwegs sein. Hier winkt gute Bezahlung für Reisefreudige. Alles in allem sollte sich der Karriereschritt in diese agile Rolle schnell auszahlen.

Verdienst

  • Gehaltsbereich: 43.000 € (Junior) bis ca. 90.000 € (Senior)

Ihre Ansprechpartner für Product-Owner-Positionen: