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Talk 'N' Roll! Das war die Konferenz der Online Marketing Rockstars 2017

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Mit dem Konferenztag der Online Marketing Rockstars und anschließender Party endet das “Festival” der internationalen Digital Marketing-Szene in Hamburg. Wir waren nach einem erfolgreichen Ausstellertag auch dieses Jahr wieder mit dabei und lauschten den geladenen Koryphäen der Szene. Trendthemen waren Content und Influencer Marketing sowie Storytelling. Für Rockstar-Feeling sorgte dabei nicht zuletzt der Auftritt der Fantastischen Vier.

Online Marketing Rockstars Expo 2017
MfG mit freundlichen Grüßen! Die fantastischen Vier von next level: Marie, Axel, Bylle und Gregor (v.l.n.r.).
alle Fotos: G. Matlok

Trotz der ausgelassenen Expo-Party am Vorabend fiel unser Konferenz-Startschuss pünktlich um 08:45 Uhr. Das Programm wurde traditionell von Philipp Westermeyer eröffnet, der die Online Marketing Rockstars vor 6 Jahren ins Leben gerufen hat. In seinem Vortrag gab Westermeyer einen kleinen Überblick über den derzeitigen Status deutscher Unternehmen im digitalen Business und aktuelle Entwicklungen im Online Marketing.

Dabei bezog er sich unter anderem direkt auf den Auftritt von Marketing-Professor Scott Galloway aus dem Vorjahr, der vielen Besuchern bildhaft in Erinnerung geblieben ist. Während Galloway die Zukunft der globalen Internetlandschaft als von wenigen amerikanischen Großkonzernen beherrscht sieht, fällt Westermeyer für den deutschen Markt eine deutlich optimistischere Prognose. Neben einigen höchst erfolgreichen Konzernen beherberge die deutsche Wirtschaft zahlreiche mittelständische Unternehmen, die in ihrer Nische unangefochtene Weltmarktführer seien. Zudem gäbe es viele junge, aufstrebende Unternehmen, die auch international immer größere Wellen schlugen. Westermeyer betonte zudem, dass sich deutsche Firmen in Sachen Performance-Marketing weltweit an der Spitze bewegten und in diesem Punkt selbst amerikanische Großkonzerne deutlich hinter sich ließen.

Eine seiner Empfehlungen für erfolgreiches Marketing im Jahr 2017 liegt im Bereich der Nischen-Influencer. Da es im Netz zu jedem erdenklichen Thema Blogs oder Youtube-Channels gäbe, ließen sich diese Kanäle ideal für zielgerichtete und ökonomisch sinnvolle Marketingkampagnen nutzen.

Ring frei für die Marketing-Weltmeister! Hier kommen Boz und Co.

Als erster geladener Gast betrat anschließend niemand Geringeres als Andrew “Boz” Bosworth die Bühne. Boz war Mark Zuckerbergs Dozent in Harvard und ist seit 11 Jahren selbst bei Facebook beschäftigt. Während er früher an der Entwicklung des ersten Newsfeed beteiligt war, ist Bosworth heute für die Technologie hinter dem Anzeigengeschäft verantwortlich. Ein besonderer Leckerbissen für das interessierte Publikum waren natürlich die privaten Anekdoten über die Facebook-Entstehungszeit und die gemeinsamen Erlebnisse mit Mark Zuckerberg. Das größte Potenzial für die Zukunft der digitalen Welt sieht Bosworth derweil im Voranschreiten der mobilen Revolution. Ihm zufolge wird das Thema Mobile in den nächsten Jahren noch deutlich stärker ins Zentrum unserer Nutzungsgewohnheiten rücken und die Marketingwelt entsprechend prägen.

Ebenso in Erinnerung geblieben ist uns der Auftritt von Marketing-Guru Gary Vaynerchuk. “Gary Vee” ist nicht nur CEO einer der gefragtesten Marketingagenturen der Welt, sondern auch Bestsellerautor und Social Media-Star. In seiner ebenso informativen wie unterhaltsamen Darbietung appellierte er an unseren inneren Schweinehund und rief dazu auf, die Ärmel hochzukrempeln und Taten sprechen zu lassen, anstatt Strategien nur auf theoretischer Ebene auszufeilen. Sein persönliches Erfolgskredo lautet passend dazu: “Get practical!”

Attention, please! Der Weg aus der Masse

Im Zeitalter verbesserter Distributionsmöglichkeiten durch personalisierte Werbung steht das Marketing nun vor einer neuen Herausforderung: Aufmerksamkeit. Ben Thompson, Gründer und Autor von Stratechery, verriet hierzu sein Erfolgsrezept: Er schwört auf die Kombination aus Unique Content, Nischenprodukten, Targeting und echter, fühlbarer Leidenschaft für das Produkt.

Eine solche Leidenschaft transportierte Refinery29-Founder Philippe von Borries. Die Plattform möchte mit einer Mischung aus Infos, Lifestyle, Tratsch und Beauty junge, erfolgreiche Frauen von heute ansprechen. Von Borries betonte, dass Refinery29 bewusst auf Hochglanzmodels verzichtet und zeigte Fotos seiner “starken jungen Frauen” – feministische Hardliner würden vermutlich vergeblich nach den wesentlichen Unterschieden suchen. In den USA hat das Portal jedoch einen beeindruckenden Siegeszug hingelegt, nun steht der europäische Markt auf dem Plan. Interessant Philippe von Borries’ Prognose: 2020 würde die Hälfte der Google Search Requests Bildersuchen sein. Daher setzt Refinery29 auf viele, viele bunte Bilder mit passendem Content.

Die App Musical.ly (Video-App: User bewegt Lippen zu bekannten Popsongs, seit 2015 auf dem Markt), hatte vor allem unter Teenagern durchschlagenden Erfolg. Von den 200 Millionen registrierten Nutzern weltweit stammen 8,5 Millionen aus Deutschland. Bei Musical.ly, so CEO Verena Papik, handelt es sich um ein Produkt, das komplett ohne Werbung auskommt – Musik muss Menschen in der Regel nicht erst schmackhaft gemacht machen. Zu Anfang wurde mit Influencern kooperiert, nun nutzen Teenies die App, um Influencer zu werden – eindrucksvoll bewiesen von den deutschen 14-jährigen Zwillingen Lisa und Lena, denen es gelang, binnen eines Jahres eine Reichweite von 15,8 Millionen Followern auf Musical.ly aufzubauen.

Casey Neistat auf der OMR17
Youtube-Influencer und Vlog-Star Casey Neistat zeigte uns, wie cool und erfolgreich Unique Content sein kann.

Influencer, Unternehmer und Videokünstler Casey Neistat hat seinen hart erarbeiteten Durchbruch nicht zuletzt Nike zu verdanken. Das Unternehmen bat den Youtube-Star, ein Video für ein Fitnessarmband zu drehen. Zwei Filme, die er anhand von Nike-Skripts produzierte, verwarf der Künstler, weil er sich selbst nicht darin wiederfand. Schließlich verabschiedete Neistat sich vom Skript und drehte ein drittes Video, in dem er mit seinem besten Freund binnen 10 Tagen das Nike-Budget mit Weltreisen verbrannte – die Kamera natürlich immer dabei. Heraus kam das Neistat-Masterpiece #makeitcount, das durch die Decke ging, ohne ein einziges Bild des Armbands zu zeigen. Unique Content at its best. Trotz aller Freiheiten, durch die Neistat seinen Erfolg erlangte, lautete sein Rat an die erwartungsvollen Zuschauer: Fleißig sein! Kreativität entstehe nur durch harte, harte Arbeit.

Big Data 2.0: Daten in Action – und ein umstrittener Auftritt

Im nicht unumstrittenen und anschließend kontrovers diskutierten Auftritt des Cambridge Analytica-CEO und angeblichen Trump-“Präsidentenmacher” Alexander Nix erläuterte dieser seine Strategie für erfolgreiche datengetriebene Kampagnen zunächst anhand von Marketing-Beispielen. Er veranschaulichte, wie sich aus Daten – gewonnen zum Beispiel durch Facebook-Surveys (“welche Pizzasorte bist Du?”) und Cookies – psychographische Persönlichkeitsprofile nach dem OCEAN-Modell anlegen lassen. Die Profile ermöglichen passgenaues Targeting, besonders interessant für das Native Advertising im persönlichen Feed. Hier liege der große Vorzug von Big Data: Man wisse bereits im Vorfeld des kreativen Prozesses, welche Persönlichkeiten man ansprechen müsse.

Im Anschluss daran wertete Nix nichts Geringeres als die Beeinflussung des US-Wahlkampfes für sich und seine Strategie. Anhand der OCEAN-Daten habe er die Facebook-Feeds der unentschlossenen Wähler mit “deren” Themen bespielt: Gun Rights, Immigration, Arbeitslosigkeit und dergleichen seien in den Filterblasen nur noch in Zusammenhang mit der Message ausgespielt worden, dass Trump derjenige sei, der alles verbessern würde. Auch Anti-Hillary-Artikel hätten bei der Entscheidungs-”Hilfe” eine wichtige Rolle gespielt. Inwiefern Nix’ Beitrag wirklich zum Wahlsieg geführt hat, ist umstritten. Dass er die Hochwertigkeit des jetzigen Präsidenten als Kandidaten betonte, kam beim europäischen Publikum wenig gut an – das Stimmungstief griff immer stärker um sich. Als ein Zuhörer fragte, ob Nix denn “happy” sei, einen Menschen wie Donald Trump zum mächtigsten der Welt gemacht zu haben, brach ein Großteil der Konferenzteilnehmer in frenetischen Applaus aus.

Rockstars!

Die Fantastischen Vier bei der OMR17
Michi Beck von den Fanta 4: Seit 27 Jahren Rockstar und immer noch Lausbub.

Was die musikalischen Überraschungsgäste anging, ließ sich das OMR-Organisationsteam wie schon im Vorjahr bei der Pausengestaltung nicht lumpen und sorgte mit einem bombastischen Unterhaltungsprogramm für große Augen und strahlende Gesichter. Keine geringere Band als Die Fantastischen Vier enterte unangekündigt die Bühne und verwandelte die restlos ausverkaufte Konferenz-Halle am frühen Nachmittag in einen Konzertsaal. So war es natürlich nur eine Frage von Sekunden, bis sich die versammelten Marketeers von ihren Stühlen erhoben und von Songs wie “Ernten was wir säen” oder “Troy” mitreißen ließen.

Auch das Ende der Veranstaltung stand unter musikalischem Einfluss: Der Vortrag von Heavy-Metal-Legende Bruce Dickinson war der krönende Abschluss des vollgepackten Konferenztages. Neben seiner Tätigkeit als Sänger der Band Iron Maiden ist Dickinson Pilot, Braumeister, Romanautor und Betreiber einer eigenen Airline. Mit viel Charme sinnierte er über die Festigung und den Ausbau der Marke Iron Maiden, die sich seit rund 40 Jahren bei Jung und Alt unablässiger Beliebtheit erfreut.

Der letzte Beitrag mündete quasi nahtlos in der großen Aftershow-Party eine Halle weiter. Auch hier waren selbstverständlich echte Rockstars nicht weit: Die Absoluten Beginner entlockten uns mit einer anderthalbstündigen Performance, bestehend aus alten und neuen Hits, die letzten verbliebenen Energien. Die OMR rockt! Wir freuen uns auf 2018!

Mehr zur OMR17

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  • Einen Gesamtüberblick über alle Konferenzspeaker der OMR17 gibt’s zum Beispiel hier.

  • Wer ein Exemplar unserer Postkartenreihe vermisst, kann sich gerne unter marketing@nextlevel.de melden.