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Sicherheit als Chance

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Wie bei jeder ordentlichen Revolution eröffnen sich auch im Zuge von Industrie 4.0 durch embedded systems bei der vernetzten Produktion neue Perspektiven und Chancen. Eine davon ist eine neu gewonnene Form der Sicherheit. Dieses Schlagwort impliziert natürlich automatisch die Diskussion um den Schutz vor Angriffen – eine wichtige Debatte, die sich im Zuge der Ausbreitung von vernetzter Produktion und Produktanwendung weiter intensiviert. Hier soll jedoch ein Blick auf die Sicherheit als mögliche Chance geworfen werden – für Produzenten und Verbraucher gleichermaßen.

Man halte sich die folgenden Fälle vor Augen: Schlagzeilen machte ein Bericht von 2011, laut dem der NASA zwischen 1970 und 2010 hunderte wertvolle Gesteinsproben von Mond, Mars und anderem außerirdischen Material auf den Wegen zwischen der Raumfahrtbehörde und verschiedenen wissenschaftlichen Instituten “verloren” gingen.

Anderer Kontinent, ähnliches Problem: Allein auf europäischen Straßen verschwinden jährlich Transporte im Wert von bis zu achteinhalb Milliarden Euro durch organisierte Kriminalität – eine nicht unerhebliche Belastung für Hersteller, Empfänger, Versicherungen, Polizei und Transportunternehmen.

Dieses Risiko, das für jeden Eigentümer beim Transport von wertvollen Materialien und Produktteilen besteht, kann durch die Nutzung von embedded systems auf ein Minimum reduziert werden. Bereits angewandt wird dies von verschiedenen deutschen Herstellern in Form von RFID-Systemen.

Quelle: Transport-Informations-Service (TIS), Fachinformationen der deutschen Transportversicherer http://www.tis-gdv.de/tis/verpack/rfid/rfid.html, 2013

RFID steht für Radio Frequency IDentification und kann über einen Chip an der Produkt- oder Materialverpackung nach dem Sender-Empfänger-Prinzip nicht nur die eindeutige Identifikation einer gekennzeichneten Entität sichern, sondern auch beliebige Daten über deren Material/Zusammensetzung, den Umgebungsbedingungen, den weiteren Verarbeitungsprozess oder eben den aktuellen Standort mitteilen.

Unsicherheiten bezüglich des aktuellen Standortes von Gütern erübrigen sich so. Darüber hinaus können Zustand des Materials und optimale Lagerbedingungen (z.B. in Bezug auf Temperatur, Druck, Feuchtigkeit usw.) sichergestellt werden.

Der zweite wichtige Vorteil, der über Systeme wie RFID gewährleistet werden kann, ist der Fälschungsschutz. Das Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und angewandte Materialforschung (IFAM) arbeitet an Methoden zur Integrierung des RFID-Transponders in die Materialien selbst. Die eindeutige Markierung des Gegenstandes, die im Gegensatz zu visuellen Strichcodes auch nach Behandlung der Oberfläche bestehen bleibt, soll die einwandfreie Identifizierung garantieren und damit Material- und Produktfälschungen ausschließen.

Die Vorteile, die diese neu gewonnene Sicherheit für die Hersteller mit sich bringt, liegen auf der Hand. Und der Verbraucher? Hier gilt eindeutig das Wort: Sicherheit schafft Vertrauen. Über Systeme wie RFID kann Qualität wirklich garantiert werden. Geschichten über explodierende Akkus aus Asien, Billigprodukte in Markengestalt oder gefährliche bzw. im besten Fall wirkungslose Medikamentenfälschungen könnten demnächst schon der dunklen Vergangenheit angehören.

So sprechen die Zahlen der europaweiten Nutzung von RFID in Unternehmen für sich. Laut der aktuellen Statistik der europäischen Kommission ist die Zahl der Unternehmen, die RFID bereits nutzen, von 2009 bis 2011 in Europa von 3 auf 4 Prozent gestiegen, in Deutschland sogar von 4 auf 6 Prozent.

Es ist zu erwarten, dass sich dieser Trend in den nächsten Jahren rapide fortsetzt. Auf die Folgen, auch was die Sicherheit anbelangt, dürfen wir weiter gespannt sein.