IT im Film

next level Tech-Movie-Night: mit 88 mph in die vergangene Zukunft. Great Scott!

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Back To The Future Logo
Wenn man eine Tech-Filmreihe im Oktober 2015 startet, dann natürlich mit “Back to the Future”.
(Quelle: Wikimedia)

Jetzt, wo es draußen stürmt und fisselt, kam uns die Idee, es uns einfach einmal im Monat nach getaner Arbeit im Konferenzraum gemütlich zu machen und gemeinsam unsere liebsten Tech-Filme anzuschauen.

Und wenn man eine Tech-Filmreihe schon im Oktober 2015 startet, dann ist ja wohl klar, welcher Film da an welchem Tag den Anfang macht: Natürlich “Back to the Future” (1985,1989) am 21.10.2015. Da gehts von 1985 nach 1955, zurück in die “Zukunft” 1985 und von dort genau zum 21. Oktober dieses Jahres – zumindest aus Sicht des Regisseurs Robert Zemeckis, dessen Zukunftsprognosen mal lustig, mal fast ein bisschen unheimlich sind…

Wie war das noch gleich? Mit dem Fluxkompensator durch die Zeit

Die meisten werden sich erinnern: In einer Herbstnacht im Oktober 1985 stellt der verrückte Wissenschaftler Doc Brown (Christopher Lloyd) dem Teenager Marty McFly (Michael J. Fox) seine Zeitmaschine vor, den “Fluxkompensator”, den er in einen Sportwagen vom Typ DeLorean DMC-12 eingebaut hat. Weil er für den Antrieb Plutonium von Terroristen veruntreut hat, wird auf ihn geschossen. Marty flieht mit dem DeLorean, beschleunigt versehentlich auf 88 mph, und ab gehts ins Jahr 1955. Dort verliebt sich seine eigene Mutter in ihn und gefährdet dadurch seine Existenz. Im letzten Moment lässt sich die Katastrophe dank intensiver Unterstützung des ´55er Docs abwenden, und Marty kehrt zurück ins Jahr 1985, aber nicht ohne Einfluss auf die Ereignisse der Vergangenheit genommen zu haben - Vater George beispielsweise ist nun der Boss seines Unterdrückers aus der ersten Timeline.

Back to the Future Timecode
Viel rumgekommen heute!
(Quelle: Wikimedia)

Doc Brown macht anschließend einen Abstecher ins Jahr 2015 und holt im zweiten Teil Marty und dessen Freundin dorthin nach, weil die gemeinsamen (1985 noch nicht mal geplanten) Kinder in Schwierigkeiten stecken. Außerdem muss der ewige Widersacher Biff Tannen (Thomas F. Wilson) davon abgehalten werden, die von ihm leider entdeckte Zeitmaschine zu missbrauchen und durch Sportwettenbetrug ein reicher Mann und – noch schlimmer – Martys Stiefvater zu werden. Jetzt kommen wir nochmal voll auf unsere Kosten: Heute aus Sicht der Vergangenheit ist sooo lustig. Aber nicht nur…

Verrückte Visionen oder weise Voraussagen? Fliegende Autos, Gassiroboter, Essens-Hydratoren, intelligente Jacken, Hoverboards und selbstschnürende Nikes

Autos fliegen auf Skyways durch die Lüfte, Hunde werden von Robotern zum Gassi ausgeführt, ein Essens-Hydrator macht aus Rosinen Weintrauben und aus einem Cracker eine reich belegte Familienpizza, im Haus schweben ufomäßige Kleingärten rum, in denen Obst wächst, Faxgeräte nehmen einen wesentlich zentraleren Platz ein, als sie es – dem Internet sei Dank! – in der Realität tun, an der Texaco-Tankstelle arbeiten nur noch Roboter, Autokennzeichen werden als Barcodes angezeigt und eine sprechende, sich der Größe des Trägers anpassende Jacke trocknet sich selbst. Soweit eine drollige Zukunftsvision, wie es ihresgleichen schon viele gab.

Aber der Rest… hat Zemeckis womöglich doch selbst eine Zeitreise unternommen und nutzt die oben beschriebenen Gadgets nur zur Verwirrung, weil sonst der Geheimdienst bei ihm klingeln würde, um an den Fluxkompensator zu gelangen? Dass es 2015 keine fliegenden Autos geben würde, sei Zemeckis klar gewesen, wie er damals schon gestand, er fand nur, dass sie in einem Film über die Zukunft nicht fehlen dürfen. Soso… fliegende Autos.... Wie steht es mit den anderen Errungenschaften?

Das gibt es heute wirklich – zumindest so oder so ähnlich

Da haben wir den Videocall, die Datenbrille und die intelligente Uhr mit Temperaturauskunft. Bei uns nennt sich das heute Skype, Google Glass und SmartWatch. Riesige Flachbildfernseher: check. Hologramme: Man denke nur an die Wiederauferstehung des King of Pop, z.B. bei den Billboard Music Awards. Hoverboards? Derzeit noch ein bisschen schwerfällig, aber sowohl bei Hendo als auch bei Lexus in der Testung. Identa-Pads? Die hatte im Film die Hill Valley Police, um anhand des Fingerabdrucks einer Person Namen, Adresse und Geburtsort zu erfahren. Biometrische Pässe, digitale Fingerabdrücke, Pads… wir sind bald da.

Auch die szenischen Fenster-Bildschirme mit wechselnden Outdoor-Attrappen haben einige Unternehmen zur Nachahmung inspiriert. Features wie bionische Implantate/Prothesen, holographische (ok, derzeit noch digitale) Anzeigetafeln und Gesichtserkennung (im Film auf der Binocular Card, bei uns z.B. in Kameras) lassen uns einen Schauer der Bewunderung für den Weitblick des Filmemachers über den Rücken laufen. Und last, but not least: die coolen, leuchtenden, selbstschnürenden Nikes. Welches Kind hat damals nicht davon geträumt? Viele dieser Träumer unterzeichneten 15 Jahre nach “BTTF II” eine Petition, in der sie die Realisierung des Superschuhs forderten. Die geschah 2011 zum Teil - der Nike MAG 2011 war zwar beleuchtet, schnürte sich aber nicht automatisch, und vor allem war er nichts für die breite Masse: lediglich 1500 Exemplare versteigerte Nike zugunsten Michael J. Fox´ Parkinson-Stiftung (Erlös: 6 Mio. $) bei Ebay. Grund für eine zweite Petition, die Nike Air 2015 Kicks für alle forderte- pünktlich zum 21.10.2015.

Zeitreisen sind keine Kutschfahrten!

Back to the Future Timelines
Die acht Timelines aus “Back to the Future”
(Quelle: Wikimedia)

Bei aller Faszination sollte man nicht außer Acht lassen, dass Reisen in die Vergangenheit nicht ungefährlich sind, könnte man doch den Lauf der Dinge durch Veränderung einer Kleinigkeit für immer ändern. In der Trilogie gibt es acht verschiedene Timelines, die entstanden sind,weil die Akteure auf ihren Zeitreisen Schlüsselereignisse verändert haben. Die alte Timeline wird beim Rückeintritt in die Gegenwart gelöscht und existiert nur noch in der Erinnerung der Zeitreisenden.

Das gern angeführte Beispiel, das die Vorfreude auf echte Zeitreisen dämpft, ist das so genannte Großvaterparadoxon, das exemplarisch die Parodoxien von Zeitreisen mit einer einfachen Überlegung erklärt: Reise ich zurück, um meinen armen Opa zu töten, werde ich nicht geboren und kann nicht in die Vergangenheit reisen, um die grausame Tat zu vollbringen. Aber davon lassen wir uns natürlich nicht den Spaß verderben.

Bei aller bewussten (und sehr unterhaltsamen) Übertreibung hinsichtlich des Lebens im Jahr 2015, landete das Team auch einige bemerkenswerte Treffer. Klar ist, dass die Filmreihe in jedem Fall Impulse für die Entwickler der Zukunft gegeben hat, man denke nur (neben den vielen Enten diesbezüglich) an die tatsächlichen Versuche der Herstellung eines funktionstüchtigen Hoverboards.

Die wichtigsten Visionen und deren Wirklichkeitsgehalt im Überblick

Zukunftsprognose Realität
fliegende Autos Geduld, Freunde!
Hoverboards werden derzeit getestet
Videocalls Skype, FaceTime, Google Hangouts uvm.
Gassi-Roboter -
Flachbildschirme aber hallo!
holographische Kinofilme Hologramme
intelligente Jacken -
Datenbrillen Google Glass
Uhren, die das Wetter anzeigen können ...und noch viel mehr: Android Wear SmartWatch, Apple Watch
Bedeutung von Faxgeräten fail!
Essenshydratoren eher bewusstere Ernährung ;)
selbstschnürende Nikes schon mal welche reservieren!

Wir jedenfalls treten schwärmend und schwelgend hinaus in die Herbstkälte, mit Bäuchen, die vom Lachen und auch der Erkenntnis, dass “Back to the Future” ab heute ein Film über die Vergangenheit ist, ein bisschen weh tun. Fliegende Autos müsste es geben, oder wenigstens Hoverboards für alle.