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Let’s PHParty! Eine Skriptsprache feiert Jubiläum.

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22 Jahre ist es her, dass der dänische Entwickler Rasmus Lerdorf eine kleine Sammlung von Perl-Skripten veröffentlichte, die dazu diente, Webseitenzugriffe zu zählen. Was mit den sogenannten Personal Homepage Tools begann, hat sich inzwischen zur meistgenutzten Web-Skriptsprache entwickelt. Vom ursprünglichen PHP übrig geblieben ist heute lediglich der Name, wenngleich auch dessen Bedeutung einen Wandel erfahren hat.

PHP-Jubiläum
Zum 22. Jubiläum wünschen wir alles Gute, PHP!

Als Rasmus Lerdorf 1995 in einer Usenet-Newsgruppe seinen persönlichen Werkzeugkasten namens “Personal Homepage Tools” veröffentlichte, hätte er sich wohl kaum träumen lassen, was sich daraus einmal entwickeln sollte. Zu seinem Glück entschied er sich schon früh dafür, PHP als Open Source zugänglich zu machen, wodurch die nützliche Software schnell eine breite Nutzerschaft erreichen konnte.

Ein langer Weg bis zur ausgewachsenen Sprache

Um den Funktionsumfang seiner PHP Tools zu erweitern, präsentierte Lerdorf nur zehn Monate später eine neue, weitaus komplexere und in C geschriebene Umsetzung mit dem Namen PHP/FI (“Forms Interpreter”). Die Hauptmerkmale waren eine in HTML eingebettete Syntax sowie die Möglichkeit, Variablen einzusetzen und Formularvariablen automatisch zu interpretieren – einige Aspekte, die bis heute fest zu PHP gehören. Ebenfalls neu eingeführt wurde seinerzeit die umstrittene Direktive register_globals, welche zwar die Arbeit mit der neuen Sprache erleichterte, gleichzeitig aber große Sicherheitslücken mit sich brachte. Diese Risiken führten nicht zuletzt dazu, dass PHP lange Zeit das negative Image einer unsicheren Sprache anhaftete.

Mit PHP/FI 2.0 erschien 1997 eine überarbeitete Fassung, die bis auf kleinere Beiträge aus der Open Source Community immer noch fast vollständig von Lerdorf selbst stammte. Zu dieser Zeit entwickelte sich auch ein erster Kult um die Sprache, die bereits auf etwa 50.000 Domains eingesetzt wurde (was seinerzeit etwa 1% des gesamten WWW ausmachte).

PHP 3: All new, all PHP

Zur selben Zeit tüftelten die israelischen Entwickler Andi Gutmans und Zeev Suraski an einer von Grund auf neu gestalteten Version von PHP. Um die Sprache für ein Universitätsprojekt leistungsfähiger, moderner und schneller zu machen, schrieben sie einen Großteil des ursprünglichen Quellcodes um. In Kooperation mit PHP-Urvater Rasmus Lerdorf veröffentlichten sie daraufhin im Juni 1998 (und damit pünktlich zum dritten Geburtstag) PHP 3. Dies war das erste Release, das dem heutigen Pendant wirklich ähnlich ist, was vor allem an der soliden Infrastruktur für eine Vielzahl an Datenbanken, Protokollen und APIs liegt. Gleichzeitig wurde mit PHP 3 die Basis für den LAMP-Stack geschaffen. Da PHP 3 auch für Neulinge verhältnismäßig leicht zu erlernen war, wuchs die Zahl der Nutzer stetig an, so dass Ende 1998 schon 10% aller Webserver mit PHP ausgestattet waren. Mit der Einführung der dritten Version wurde auch die Bedeutung des Namens PHP offiziell geändert: “PHP: Hypertext Preprocessor”.

Parallel zum ,neuen alten’ Namen in Version 3 durfte sich die Sprache fortan auch über ein standesgemäßes Maskottchen freuen. Der blaue ElePHPant ist eine Erfindung von Zeichner Vincent Pontier. Für das Tier entschied er sich übrigens nicht nur wegen des Wortspiels, sondern auch, weil die Buchstabenfolge “PHP” mit etwas Fantasie den Umrissen eines Dickhäuters nicht unähnlich ist. Das blaue Tierchen ist innerhalb der PHP-Community derweil sehr beliebt, eigene Webseiten und Social Media-Auftritte wurden ihm gewidmet. Zudem zieren kleine Plüsch-ElePHPanten in allen erdenklichen Farben und Formen die Schreibtische unzähliger Entwickler.

PHP Maskottchen ElePHPant
Entstammt zwar nicht der Sendung mit der Maus, ist aber auch ein Publikumsliebling: Der ElePHPant. Bild: gemeinfrei

Jetzt wird’s Zend-sationell

Mit den zahlreichen neuen Einsatzmöglichkeiten von PHP 3 machten sich nach und nach immer größere Performance-Probleme bemerkbar. Aus diesem Grund begannen Suraski und Gutmans 1998 mit der Entwicklung der Zend Engine, die rund zwei Jahre später das Herzstück von PHP 4 ausmachen sollte. Neben einer stark erhöhten Ausführungsgeschwindigkeit und etlichen zusätzlichen Leistungsmerkmalen enthielt die vierte Version nun auch erstmals die Unterstützung einer (in begrenztem Umfang) objektorientierten Syntax. Diese ersten objektorientierten Gehversuche fanden jedoch kaum Beachtung bei PHP-Codern, die weiterhin ihrem prozeduralen Stil treu blieben.

Und nach der 5 kommt… natürlich die 7

Im Jahr 2004 erschien PHP in Version 5 und wartete erneut mit signifikanten Verbesserungen gegenüber ihren Vorgängern auf. Dies lag insbesondere an der noch stärkeren Zend Engine 2 und an den völlig überarbeiteten Möglichkeiten zur Objektorientierung. Die immer größere Verbreitung der Sprache scheint spätestens seitdem unaufhaltsam, was nicht zuletzt am Erfolg der PHP-basierten CMS Wordpress und Typo3 liegt.

Dass PHP 5 fast 12 Jahre lang die aktuellste Versionsnummer bleiben sollte, entsprach jedoch nicht der ursprünglichen Planung. So war die erste Veröffentlichung von PHP 6 schon für 2009 angesetzt, doch nach zahlreichen Anläufen und Planänderungen wurde diese Iteration nie veröffentlicht. Dennoch hatten einige Verlage zu dieser Zeit bereits Bücher zum Thema PHP 6 veröffentlicht, sodass für die neue Version kurzerhand ein Wert übersprungen wurde, um Verwirrungen zu vermeiden. So erblickte im Dezember 2015 das aktuelle Major Release PHP 7 das Licht der Welt und erfreut sich seither immer größerer Beliebtheit.

Ungebremst hohe Nachfrage nach PHP-Entwicklern

Aktuell wird PHP (übrigens hauptsächlich in Version 5) auf über 82 Prozent aller Websites als serverseitige Programmiersprache eingesetzt – Tendenz steigend. Und auch bei professionellen Entwicklern steht die vielseitige Skriptsprache höher im Kurs denn je. So gehören einer aktuellen Untersuchung der Stellenplattform Joblift zufolge PHP-Experten gleich nach Java-Entwicklern zu den gefragtesten Fachleuten Ihrer Zunft. Eine Entwicklung, die so schnell nicht abzureißen scheint.

PHP-Urvater Rasmus Lerdorf ist übrigens bis heute an der Entwicklung seiner Schöpfung beteiligt, wenngleich er nicht mehr am eigentlichen Kern der Sprache arbeitet. So behebt er immer wieder einzelne Bugs und veröffentlichte erst kürzlich den statischen Analyzer “Phan”. Zudem gibt er sein Wissen als Speaker weltweit auf Messen und Events an die PHP-Community weiter, die ihn seit über zwei Jahrzehnten begleitet. Zum 22. Jubiläum wünschen wir PHP und seinen Anhängern alles Gute und freuen uns bereits auf weitere Jahre voll spannender Neuerungen im Open Source Universum!