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Kleiner Buchstabe, große Wirkung oder: Warum wir (d/m/w) schreiben.

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Eigentlich wollten wir auf ein paar Nachfragen hin nur kurz erklären, warum wir bei unseren Stellenanzeigen die Reihenfolge (d/m/w) benutzen. Nach einiger Recherche aber haben wir das Gefühl: Das ist nicht genug! Ein kleines Statement zum Thema “Drittes Geschlecht in Stellenanzeigen”.

drittes Geschlecht in Stellenanzeigen
d/m/w: We really don't care!

Inter-Menschen: Die unsichtbaren Dritten

Dass es mehr als die zwei Geschlechter Mann und Frau gibt, ist für einigermaßen Informierte eigentlich nichts Neues – bis vor kurzem allerdings wurden in Deutschland alle Menschen bei ihrer Geburt einem der beiden Geschlechter zugeordnet. Für die meisten von uns kein Problem. Für einen Menschen, der sich weder als Mann noch als Frau identifiziert, weil einfach weder das eine noch das andere biologisch auf ihn zutrifft, jedoch schmerzhaft und falsch.

Bei besagten Menschen geht es konkret um Inter-Personen, die sowohl weibliche als auch männliche Geschlechtsmerkmale besitzen und in der Vergangenheit meist gewaltsam (sowohl physisch durch “angleichende” Operationen im Säuglingsalter, die nach wie vor stattfinden als auch psychosozial durch eine Gesellschaft, die auf Geschlechterdualismus aufgebaut ist) in die eine oder andere Rolle gezwängt wurden. Und das sind immerhin um die 120.000 Menschen in Deutschland – offiziell.

Die dritte Option bahnt sich ihren Weg

Dass damit nun Schluss ist, haben wir Vanja zu verdanken. Als intersexueller Mensch fand auch Vanja Fragebögen grässlich, fühlte sich in der Gesellschaft nicht repräsentiert, unsichtbar. Mit dem Wunsch, neben “m” und “w” eine weitere Möglichkeit zu erwirken, startete Vanja gemeinsam mit ein paar Mitstreiter*innen die Kampagne “die dritte Option”.

Resultiert hat das Engagement der Gruppe in einem bedeutungsvollen Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 10. Oktober 2017. Dieser verfügt, dass im Geburtenregister (und somit in allen rechtlichen Folgedokumenten) von nun an die erhoffte dritte Option eingetragen werden kann. Das “d” für “divers” war Vanjas Vorschlag und markiert den Beginn eines langwierigen Umdenkens, inklusive des sukzessiven Abbaus aller gesellschaftlichen Hürden wie einem Geschlechterdualismus bei Toiletten, Duschen, Umkleidekabinen oder in der deutschen Sprache, die wenig Möglichkeiten gibt, um die Zweiteilung mit Worten zu umgehen. Was ist zum Beispiel mit der Anrede? Hallo Herr/Frau/? Die Autorin bedankt sich über Vorschläge per E-Mail – natürlich am liebsten von “d”-Menschen. ;-)

Insgesamt stehen Menschen der dritten Option noch am Anfang ihres harten Weges. Um als “divers” bzw. “inter” anerkannt zu werden, besteht aktuell noch Attestpflicht. Das heißt, dass Betroffene von externen Gutachtern bewertet werden, die dann entscheiden, ob sich ein Mensch so bezeichnen darf oder nicht. Abgesehen davon, dass dies der Betroffene vermutlich am besten einschätzen kann, findet die individuelle Zuordnung eines Menschen zu einer der drei Gruppen “m”, “w” oder “d” nicht immer aufgrund von biologischen Merkmalen statt. Wer sich schlicht weder weiblich noch männlich fühlt, obwohl sein Körper klare Merkmale trägt, hat bislang kaum eine Chance, anerkannt zu werden.

Viel Aufregung um einen kleinen Buchstaben

Als das Munkeln, man müsse das “d” respektive “i” (für “inter”) oder aber “x” künftig in Stellenanzeigen aufnehmen, lauter wurde, ging der ein oder andere Aufschrei durch die Personalerszene. War das nun Pflicht, könnte man sonst belangt werden? In einschlägigen Blogs drehten sich die Begründungen für die Skepsis auch ausführlich um die Sorge, ein Bewerber könnte das “d” falsch interpretieren und meinen, für eine Position müsse man nun “männlich, weiblich, deutsch” sein. Diese hauptsächlich durch einen Tweet ausgelöste Angst schien vielerorts größer als das Verständnis für die rechtmäßige Forderung der Betroffenen nach Sichtbarkeit.

(d/m/w), we really don’t care!

Ob gesetzlich vorgeschrieben oder nicht, ist uns relativ egal: Wir begrüßen diesen überfälligen Schritt der Anerkennung. Seit diesem Jahr schließen unsere Stellenanzeigen das dritte Geschlecht mit ein. Und um auf die eigentliche Frage zurückzukommen: Wir orientieren uns beim Buchstaben für die dritte Option an dem allgemein geläufigen “d” für “divers”. Dass wir dabei (d/m/w) statt (m/w/d) schreiben, sorgt ab und an für Nachfragen. Aber unsere Überlegung ist ganz einfach: Wir haben uns für die nicht bewertende, alphabetische Reihenfolge entschieden, weil wir sie am elegantesten finden. Diese neutrale Systematik wird wohl nicht nur unsere IT-Zielgruppe zu schätzen wissen. Denn wir sind guten Mutes, in einer Zunft zu werken, in der es absolut irrelevant ist, welchem Geschlecht eine Fachkraft sich zuordnet – für uns ist es das allemal.