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ITler liebäugeln mit dem Sechs-Stunden-Arbeitstag

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Die Mehrheit der ITler ist für einen vollen Arbeitstag in nur 6 Stunden – selbst wenn es dafür keinen Lohnausgleich gibt. Dies legt zumindest eine Studie nahe, die der Büroartikelhersteller Viking in Auftrag gegeben hat.

Produktivität
Ein voller Arbeitstag in nur 6 Stunden? Was in Schweden bereits probiert wird, wünschen sich in Deutschland vor allem die ITler. Bild: gemeinfrei.

Im Februar 2015 startete im schwedischen Göteborg ein Testprojekt, das für internationale Aufmerksamkeit sorgte: Ausgewählte Unternehmen – darunter ein Pflegeheim, ein Krankenhaus, eine Fabrik und das Tech-Start-Up Brath – fuhren ihre Arbeitszeiten für zwei Jahre von 40 auf 30 Stunden herunter. Bei voller Lohnfortzahlung, wohlgemerkt. Hauptgrund für dieses Experiment war das drastische Ansteigen von Krankenständen, die auf psychische Probleme wie Burn-Out und Depressionen zurückzuführen sind. Untermauert wurde das Göteborger Wagnis durch Studien wie die des schwedischen Arbeitspsychologen K. Anders Ericsson, demzufolge Menschen gar nicht in der Lage sind, mehr als vier bis fünf Stunden produktiv zu arbeiten.

Nun, zum Ende des Projekts, lässt sich festhalten: Die Mitarbeiterzufriedenheit stieg ebenso an wie die Produktivität. Der Krankenstand ging zurück, die Motivation nahm deutlich zu. Dass im Fall des Pflegeheims bei voller Lohnfortzahlung jedoch mehr Personal eingestellt und demzufolge finanziell mehr investiert werden musste, war absehbar – und wird von Kritikern als Beweis für das Scheitern des Sechs-Stunden-Tages eingestuft. Davon zu sprechen wäre allerdings verfrüht: Schwedische Politiker fordern genauere Studien, die den Ausgaben zumindest den Gewinn durch die größere Produktivität und die geringere Arbeitslosigkeit gegenüberstellen sollen. Außerdem wird gefordert, diejenigen Branchen zu identifizieren, in denen das Modell tendenziell besser funktioniert und wirtschaftlich abgefedert werden kann.

Unabhängig davon, ob es für die jeweilige Einrichtung oder ein Unternehmen sinnvoll wäre, seine Mitarbeiter nicht rund acht, sondern nur sechs Stunden am Tag zu beschäftigen, hat der Büromöbelhersteller Viking die Frage gestellt, was deutsche Mitarbeiter aus verschiedenen Branchen von einem solchen Arbeitszeitmodell für sich persönlich halten. Dazu befragte das britische Meinungsforschungsinstitut YouGov 1017 Beschäftigte verschiedener Altersklassen und Branchen. Anders als im schwedischen Experiment war bei der Befragung eine Lohnkürzung gemäß der reduzierten Stunden Voraussetzung.

ITler wünschen sich kürzere Arbeitszeiten

Die Ergebnisse der Befragung fallen deutlich zugunsten des Sechs-Stunden-Tages aus. Dies trifft für alle befragten Branchen, die klassifizierten Altersgruppen und beide Geschlechter zu. 55% der Frauen und 50% der Männer sind einem Sechs-Stunden-Tag gegenüber positiv eingestellt. Dabei liegt der Wunsch nach Verkürzung bei der Gruppe der 18- bis 34-jährigen Arbeitnehmer mit 58% leicht über dem der Altersgruppe 35-55 (51%).

Arbeitszeitstudie nach Geschlecht
Aufteilung der Befragten nach Geschlecht. Quelle: Viking.

Am wenigsten Anklang findet das Sechs-Stunden-Modell mit 48% Fürstimmen im produzierenden Gewerbe. Dagegen Von den acht befragten Branchengruppen steht der Bereich IT & Kommunikation mit 64% Fürstimmen dem verkürzten Arbeitstag deutlich am positivsten gegenüber.

Arbeitszeitstudie nach Branchen
Aufteilung der Befragten nach Branchen. Quelle: Viking.

In den IT- und Kommunikationsabteilungen von Unternehmen stellt sich die Sache mit der Produktivität natürlich in der Regel ein wenig anders dar als zum Beispiel am Fließband. Meetings, Kaffeepausen, Internetsurfen – solche Beschäftigungen rauben (oder vertreiben) oftmals Zeit, ohne die Produktivität zu steigern. Lange Arbeitstage stehen nicht in direktem Verhältnis zu brauchbaren Arbeitsergebnissen – dies scheinen die Angestellten ähnlich zu sehen.

Individuelle Arbeitszeitmodelle gegen den Burn-Out

Dabei sind die Deutschen sehr fleißig, was sich in der Tatsache niederschlägt, dass hierzulande die meisten Überstunden in Europa gemacht werden: 2016 waren es insgesamt knapp 821 Millionen, wovon gut über die Hälfte unbezahlt waren. Das bedeutet eine Durchschnitts-Überstundenzahl pro Woche von 2,7 Stunden. Und ein erhöhtes Risiko für Burn-Out. Betroffen sind hiervon vor allem Industrie und Baugewerbe.

Obwohl die psychischen Gesundheitsrisiken weithin bekannt sind, steht das komplette Umschwenken der deutschen Arbeitszeit auf sechs Stunden pro Tag in naher Zukunft nicht in Aussicht. Es bräuchte Vorreiter, die positive Bilanzen vorweisen können. Dafür stehen die Zeichen auf lange Sicht vielleicht nicht schlecht: Derzeit auf dem Vormarsch sind individuell optimierte Arbeitsmodelle, die mehr auf die Bedürfnisse des Einzelnen zugeschnitten sind. Die so genannte flexible Arbeitszeitgestaltung bedeutet eine nachhaltige Chance auf eine höhere Mitarbeiterzufriedenheit und verbesserte Arbeitsbedingungen. Dies scheint – gerade in Zeiten der Vermischung von Arbeit und Privatleben durch die ständige Erreichbarkeit per Smartphone – ein durchdachter Schritt in die richtige Richtung zu sein.