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Haftungsrisiken: Wie sich IT-Freelancer mit einer Versicherung bei Fehlern in der Praxis schützen können

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Programmierfehler, Systemausfälle, Datenverlust, Rechtsverletzungen oder Deadlines, die nicht eingehalten werden: Die Liste von Fails im IT-Projektgeschäft ist lang – und die daraus resultierenden Schadenkosten sind hoch. Versicherungsexperte Ralph Günther zeigt, wie schnell Fehler von IT-Freelancern zu hohen Schadensummen führen und wie Freiberufler ihre beruflichen Risiken bedarfsgerecht absichern können.

Foto Ralph Günther

Unser Gastautor: Ralph Günther
Autor, Versicherungsexperte und Gründer von exali.de

Ralph Günther ist Experte für Risikomanagement und spezifische Versicherungslösungen im Bereich IT, Media und Consulting. Als einer der Vorreiter im Online-Versicherungsbusiness hat er aktiv an der Verbesserung des Versicherungsschutzes für diese Bereiche mitgewirkt und neue Leistungserweiterungen am Markt eingeführt.

Ralph Günther ist zudem Gründer des Versicherungsportals exali.de. Er schreibt als Fachautor in relevanten Medien sowie wöchentlich auf seinem Blog Vermögensschaden: Versicherung neu denken.

Fehlkonfiguration, Leistungsverzögerung, Rechtsverletzung: Schadenbeispiele aus der IT-Praxis

Der zunächst abstrakte Begriff „Haftungsrisiken“ wird anhand der folgenden, realen Schadenfälle greifbar, die exali.de vorliegen.

Exchange-Server falsch konfiguriert: Wegen einer Fehlkonfiguration des Exchange-Servers kamen wichtige Mails nicht bei Auftraggeber an, der deshalb einen vierstelligen Schaden erlitt.

Deadline im Projekt nicht eingehalten: Weil eine bestellte Software für den Web-Shop des Kunden nicht innerhalb der vereinbarten Frist programmiert wurde, entstanden dem Auftraggeber erhebliche Mehrkosten.

Umsatz- bzw. Gewinnausfall: Wegen des Fehlers bei einer Software-Implementierung wurde der Webshop des Kunden zeitweise lahmgelegt und es konnten keine Produkte verkauft werden. Der Auftraggeber erlitt kostspieligen Gewinn- und Umsatzausfall.

Rechtsverletzung: Wegen der Verwendung nicht-lizensierten Bild- und Tonmaterials auf einer Website wurde der Kunde eines IT-Dienstleisters abgemahnt.

Wer zahlt bei IT-Fehlern?

Wenn in der beruflichen Praxis Fehler wie die beschriebenen passieren, stellen sich zwangsläufig folgende Fragen: Welche Konsequenzen drohen, wenn der Auftraggeber durch den Fehler einen Schaden erleidet? Und wie kann eine spezifische Versicherung für den IT-Bereich davor schützen? Auf der Suche nach einem Verantwortlichen wird der Auftraggeber früher oder später mit Schadenersatzforderungen auf seinen Dienstleister zukommen. Und die Praxis in Fällen wie den oben genannten zeigt, wie schnell eine kleine Panne zu hohen Schadenskosten führen kann. Ist der IT-Freelancer dann nicht versichert, drohen ernsthafte, zum Teil existenzielle Probleme. Die Liste der Haftungsrisiken von IT-Freelancern ist lang, um einige Beispiele zu geben:


  • Fehlerhafte Programmierung, IT-Beratung/IT-Consulting

  • Schäden in Zusammenhang mit Web-Design, Web-Hosting, Internet-Providing

  • Fehlerhafte Datenerfassung, Datenverarbeitung, -bearbeitung und -speicherung

  • Verspätete Lieferung oder Leistung

  • Verletzung von Urheberrechten, Lizenzrechten, Domainrechten, Markenrechten, Namensrechten und Persönlichkeitsrechten

  • Fahrlässige Übermittlung von z.B. Viren, Würmern, Trojanern

  • Fehlgeschlagene Installation hergestellter oder gelieferter Software

  • Verlust schriftlicher Arbeitsdokumente

  • Risiken durch die Veränderung oder Blockierung der eigenen Webseite


Freiberufliche IT-Experten sollten deshalb auf eine IT-spezifische Berufshaftpflicht (auch IT-Haftpflicht genannt) achten, die neben Personen- und Sachschäden auch Vermögensschäden absichert und damit umfassenden Schutz vor Schadenersatzansprüchen Dritter, aber auch vor bestimmten Eigenschäden bietet.

Optionale Zusatzleistungen der IT-Berufshaftpflicht

Gute Versicherer bieten zu ihrer IT-Berufshaftpflicht zudem optionale Leistungserweiterungen, mit denen der Schutz auf das eigene IT-Business angepasst werden kann – dazu zählen:

Rücktritt vom Projekt (Werkvertrag): Die Leistungserweiterung übernimmt in solch einem Fall bei Werkverträgen die entgangenen Honorare, sowie vergebliche Aufwendungen des IT-Freelancers.

Auftraggeber kündigt den Dienstvertrag: Die Leistungserweiterung stellt den IT-Dienstleister finanziell so, als wäre er mit dem vertraglich vereinbarten „Vorlauf“ ordentlich gekündigt worden.

Schutz bei Cyber-Kriminalität: Die Leistungserweiterung deckt Hacker-Schäden am eigenen System, Schäden durch Datenverlust oder Datenausspähung, Mehrkosten, die durch eine (drohende) Betriebsunterbrechung entstehen, Kosten für Strafverteidigung (Internet-Straf-Rechtsschutz) sowie die Kosten für die Beauftragung von Computer-Forensik-Spezialisten, spezialisierten Anwälten, Beratern zur Information von Dateninhabern, Profis für PR & Krisenmanagement sowie Kreditschutz- und Kreditüberwachungsservices ab.

Ausblick: Im nächsten Beitrag stellt Ralph Günther eine Checkliste mit den neun wichtigsten Kriterien zusammen, die eine gute Berufshaftpflicht für IT-Freelancer (IT-Haftpflicht) erfüllen sollte.