Meet the Geek

Folge 7: Der Big-Data-Entwickler

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Vor nicht allzu langer Zeit widmeten wir dem spannenden Thema Big Data einen eigenen Blogartikel. Mit Matthias von Chefkoch.de besuchte uns nun ein waschechter Big-Data-Entwickler, der uns nähere Insights in das Arbeitsleben im Umgang mit den berüchtigten großen Datenmengen gewährte.

Matthias Diekstall, Big-Data-Entwickler

Name:
Matthias Diekstall
Alter:
29
Beruf:
Junior Big-Data-Entwickler
Unternehmen:
Chefkoch GmbH
wichtigste Tools:
Eclipse, Bash, Linux
Inspiration findet er auf:
stackoverflow.com, GIT-Repositories und diversen Tech-Seiten

Über „Meet the Geek“

Matthias, in deinem Vortrag hast du erwähnt, dass der Begriff Big Data nicht unproblematisch sei und selbst innerhalb des professionellen Umfeldes Uneinigkeit darüber herrscht, welche Unternehmen eigentlich mit den “großen” Daten arbeiten. Wie stehst du dem gegenüber?

Big Data ist ein Begriff, der nicht eindeutig definiert ist. Ab wann genau Daten als “Big” bezeichnet werden, ist also immer zu einem gewissen Teil Auslegungssache. Allgemein lässt sich aber festhalten, dass von Big Data gesprochen werden kann, wenn Daten so groß, komplex, schnelllebig und unstrukturiert sind, dass herkömmliche Verarbeitungsmethoden wie etwa relationale Datenbanken an ihre Grenzen stoßen würden.

Es ist spannend zu hören, dass auch das deutsche Portal Chefkoch.de in diesem Bereich aktiv ist. Wie genau kann man sich den Umgang mit Big Data in eurem Fall vorstellen?

Als eines der weltweit führenden Online-Food-Portale werden bei Chefkoch natürlich enorme Datenmengen erzeugt und verarbeitet. Der Nutzen dieser Daten liegt für uns vor allen Dingen in den Möglichkeiten zur Personalisierung. Wir versuchen, das Nutzerverhalten zu analysieren, um unser Online-Angebot ideal auf den User abzustimmen und ein bestmögliches Nutzungserlebnis bieten zu können. Das beginnt schon bei trivialen Dingen, wie den Rezeptvorschlägen auf der Startseite. Menschen, die beispielsweise regelmäßig nach vegetarischen Gerichten suchen, würden sich vermutlich wenig für neue Schnitzelrezepte interessieren. Unser Ziel besteht darin, herauszufinden, was den Nutzer wirklich bewegt und somit möglichst relevante Inhalte zu liefern und die Usability dahingehend zu optimieren.

Natürlich interessiert es uns auch zu wissen, wie du mit Big Data in Berührung gekommen bist. Aber gehen wir doch vom Kleinen zum Großen und fangen vorne an: Was waren deine ersten Berührungspunkte mit der IT und seit wann faszinierst du dich für diese Welt?

Tatsächlich habe ich erst verhältnismäßig spät einen wirklichen Zugang zur IT-Welt bekommen. Erst mit etwa 13 Jahren, als ich mir meinen ersten eigenen Rechner zusammengespart habe, packte mich nach und nach die Begeisterung. Während andere ihre PCs lediglich zum Spielen verwendeten, habe ich dann gemeinsam mit Freunden angefangen, erste einfache Textadventures in Basic zu schreiben.

Und dann hast du diese Vorliebe auch gleich nach der Schule zum Beruf gemacht?

Ganz so schnell ging es dann doch nicht. Ich wusste zwar, dass ich gerne in die IT-Branche möchte, jedoch ging meine berufliche Karriere schrittweise voran. Nach einer schulischen Ausbildung zum informationstechnischen Assistenten folgte die Ausbildung zum Fachinformatiker Anwendungsentwicklung. Spätestens danach war jedoch klar, dass das Ende der Fahnenstange für mich nicht erreicht war, so dass ich noch ein Informatik-Studium dran hing, welches ich mit dem Master abgeschlossen habe.

Big Data
Unstrukturiert, umfangreich, unmittelbar: das Rezept für Big Data.
Quelle: Camelia Boban, BigData transparent, Farbänderung von D.M., CC BY-SA 3.0

Damit hast du dir ja ein eindrucksvolles Wissens-Repertoire angeeignet. Ab welchem Zeitpunkt deiner umfangreichen IT-Ausbildung hast du das Thema Big Data für dich entdeckt?

Während meines Master-Studiums habe ich ein Auslandssemester in New York absolviert. Mein amerikanischer Supervisor teilte mich dort einem Projekt zu, bei dem es im weitesten Sinne um Big Data ging. Wir haben damals unter anderem an verschiedenen Orten Besucherzahlen gezählt und ausgewertet. Diese ersten Berührungen mit dem Thema haben mir so viel Spaß bereitet, dass ich mich dazu entschied, auch meine Abschlussarbeit im Bereich Big Data zu verfassen. Von da an war es für mich klar, dass ich, wenn irgendwie möglich, in diesem Umfeld arbeiten möchte.

Und das hat sich in deinem Fall auch glücklicherweise schnell ergeben. Wie können wir uns deine Aufgaben bei Chefkoch.de in diesem Zusammenhang konkret vorstellen?

Wir befinden uns zur Zeit noch in der Aufbauphase, daher bin ich vor allem mit der Infrastrukturerstellung beschäftigt. Ansonsten bereite ich Daten für unsere Analysten vor und arbeite an Systemen zur Datenforschung. Besonders spannend ist natürlich der Versuch, aus gesammelten Daten völlig neuartige Erkenntnisse zu ziehen. Häufig lassen sich überraschende Zusammenhänge feststellen, die man auf den ersten Blick kaum erwartet hätte. Ich denke, ein derartiger Fund ist etwas, über das sich jeder Big-Data-Entwickler riesig freuen würde.

Derzeit ist das Thema Big Data in aller Munde. Dabei hört und liest man aber nicht nur Positives – besonders Datenschützer warnen immer wieder vor den möglichen Gefahren der Technologie. Ist diese kritische Haltung aus deiner Sicht berechtigt?

An das Thema Big Data sollte man immer mit einem gewissen Pflicht- und Verantwortungsbewusstsein herangehen. Es ist wichtig, dass mit Userdaten sehr sorgfältig umgegangen wird, um einen möglichen Datenmissbrauch zu vermeiden. Bei allen großartigen Möglichkeiten, die uns Big-Data-Technologien eröffnen, ist es immer wichtig, die Rechte und die Privatsphäre des Einzelnen zu achten und so das Szenario des berüchtigten gläsernen Users zu verhindern. Dies ist ein Punkt, der mir persönlich sehr wichtig ist, da ich auch nicht möchte, dass meine personenbezogenen Daten in sogenannte „data lakes“ gelangen.

Was zeichnet dich abseits von deiner Passion für IT und insbesondere Big Data aus?

Ich würde mich selbst als geselligen Typen bezeichnen, der für jeden Spaß zu haben ist. Ob mit Arbeitskollegen oder privat – bei mir gibt es immer etwas zu lachen. Ansonsten verbringe ich meinen Feierabend gerne mit der einen oder anderen Serie wie etwa “House of Cards” oder ganz aktuell der neuen Staffel von “Game of Thrones”. Eine bestimmte Richtung habe ich dabei jedoch nicht – ich mag alles, was gut gemacht ist und mich bei Laune hält.

Zum Abschluss: Was wärest du wohl geworden, wenn du keine Karriere als Informatiker angestrebt hättest?

Als Kind habe ich immer davon geträumt, Busfahrer zu werden. Die Arbeit mit großen Mengen schien mir also damals schon zu imponieren. (lacht) Aber Scherz beiseite, heute kann ich mir kaum noch etwas anderes vorstellen, als in der IT zu arbeiten.

Matthias, vielen Dank für das erfrischende Gespräch und alles Große, ehm... Gute für die weitere Arbeit mit Big Data.