Meet the Geek

Folge 3: Der DB-Entwickler

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Foto Burkhard Kretschmann

Name:
Burkhard Kretschmann
Alter:
48
Beruf:
DB-Entwickler
Unternehmen:
Portigon AG

Vor der Sommerpause hat uns Burkhard in seiner Funktion als DB-Entwickler besucht und uns von seinen Erfahrungen mit Oracle und SAP erzählt. Er weiß wie es sich anfühlt, wenn man sonntags morgens um 3 Uhr eine unternehmenskritische System-Migration vor der Verendung bewahrt und er kann behaupten, dass niemand Geringeres als William of Occam verantwortlich ist für seine IT-Laufbahn.

Über „Meet the Geek“

Burkhard, in deinem Vortrag wurde sehr deutlich, dass du ein ausgefülltes Berufsleben genießt. Liegt das an den regelmäßigen Tuning-Erfolgen, die du erzielst, wenn du SQL-Queries mal eben von 1,5 Stunden auf 8 Sekunden runterbringst?

Es hat auch damit zu tun, ja. Auch wenn es natürlich tägliches Brot eines DB-Entwicklers ist, machen diese permanenten kleinen und großen Erfolgserlebnisse schon Spaß. Darüber hinaus mag ich an meinem Job, dass ich sehr viel im Team arbeite. Anders als man vielleicht zunächst von außen vermutet, spielt Kommunikation und Networking für mich eine sehr große Rolle.

Mit wem arbeitest du direkt zusammen?

Das sind natürlich vor allem die Entwickler, in meinem Fall die Java Devs, aber auch andere DB-Administratoren. Wenn neue Probleme auftauchen, ist es zudem gut, ein großes Netzwerk zur Lösungsfindung zu haben.

Ist es nicht genau das, was du bist – ein Problemlöser?

Burkhard: Zu einem sehr großen Teil ist das so. Wenn ich morgens ins Büro komme, erwartet mich immer etwas Neues. Das macht das Ganze abwechslungsreich und verhindert, dass man zu sehr in einen routinierten Trott gerät. : Bei meinem Job ist es erforderlich, die neuesten technologischen Entwicklungen zu kennen und für seinen Bereich zu bewerten. Einfacher formuliert: Weiterbildung ist ein (tägliche) Pflicht.

Ist das der Grund, warum du diesen Beruf gewählt hast?

Schlussendlich schon, aber mein Weg dorthin war nicht von Beginn an geplant. Ich habe ursprünglich Elektrotechnik studiert an der Uni in Bochum. Dort habe ich im Rahmen einer Forschungsarbeit bei der Entwicklung eines Netzfrequenz-Messgerätes mitgearbeitet und dieses sogar selbst mit einem Lötkolben zusammengebaut. Der daran angeschlossene Parallelrechner benötigte schließlich noch die Steuer-Software, die ich in Occam programmiert habe. Damit war der Schritt von der Hardware- zur Software-Entwicklung getan.

Occam? Aber nicht etwa benannt nach “Occam’s razor”, dem Gesetz, laut dem der einfachere aus zwei gleichwertigen Lösungsansätzen vorzuziehen ist?

Doch, tatsächlich wurde die Sprache nach dem mittelalterlichen Gelehrten William of Occam benannt. Sie ist in den frühen 80ern erschienen.

Also kann man sagen, du hast als ein Entwickler-Urgestein gestartet?

Burkhard: Im Prinzip ist das so. Wir haben dann etwas später begonnen, mit Sun und Java zu experimentieren, was damals in den frühen 90ern ein wenig wie “der Stein der Weisen” verkauft wurde. Und in dieser Verbindung bin ich dann schließlich zu Oracle gekommen.

Mit einem Abstecher über SAP.

Genau. Bei mir kann man sagen, dass sich so etwa alle 5 Jahre etwas Neues tut: erst SAP-Basis, dann SAP Business Warehouse, bis dann ein Hostsystem durch ein Oracle/Java Data Warehouse abgelöst wurde. Jetzt bin ich bin gespannt, was die nächsten Jahre bringen werden.

Was waren davon die besten 5 Jahre?

Das kann man nicht pauschal sagen. Natürlich war besonders meine Anfangszeit in der Entwicklung sehr spannend, aber auch alles, was danach kam, hatte für sich genommen besondere Herausforderungen und tolle neue Erkenntnisse.

Du hast eben erzählt, wie toll es ist, Probleme zu lösen und das Datenbanksystem zu verbessern. Aber jetzt mal Hand aufs Herz – kommt da nicht hier und da auch mal richtig Stress auf?

Natürlich ist es nicht immer ganz so einfach. Oracle steht ja nicht umsonst für “mysteriöses Problem” (lacht). Ich habe auch schon wirklich kritische Momente erlebt. Zum Beispiel als mich eines nachts am Wochenende die Nachricht erreichte, dass eine laufende Migration wegen eines unbekannten Problems unterbrochen wurde. Es war 3 Uhr am Sonntagmorgen und Montag musste das System wieder laufen. Das ist dann nichts für schwache Nerven, zudem wenn man um diese Uhrzeit schwerlich Unterstützung erreichen kann. Dann muss man sich hinsetzen und hoffen, selbst eine Lösung zu finden. Mir ist es Gott sei Dank in dieser Nacht gelungen und am Montag lief alles wie gewünscht.

Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für die – mindestens – nächsten 5 Jahre.

Sehr gerne!