Meet the Geek

Folge 11: Der UX-Designer. Let’s talk about UX, Baby!

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Zoran Vitkovic ist nicht nur gestandener UX-Experte, sondern auch überzeugter Freelancer. Im Rahmen unserer Interviewreihe gewährte er uns spannende Einblicke in die Welt der User Experience. Wir erfuhren einiges über die landläufige Verwechslung von UX und UI, Buhmänner und falsche Wollmilchsäue.

Zoran Vitkovic, UX-Designer

Name:
Zoran Vitkovic
Alter:
37
Beruf:
UX-Designer/UX-Konzepter
Unternehmen:
selbstständig
wichtigste Tools
Sketch, OmniGraffle, Google
Das finde ich inspirierend
Kabelsalat und kaputte Instrumente

Über „Meet the Geek“

Zoran, die Begriffe UX und UI sind schon seit einiger Zeit in aller Munde und die Nachfrage nach Experten wie dir scheint immer größer zu werden...

Ja, das stimmt. Grundsätzlich lässt sich die erfreuliche Tendenz beobachten, dass immer mehr Unternehmen die Notwendigkeit erkennen, ihre Produkte nutzerfreundlich zu gestalten. Die Verantwortlichen sind sich jedoch häufig nicht genau darüber im Klaren, was man verändern muss, um die Usability zu verbessern und welche Stellschrauben dazu angefasst werden müssen. Hier stellt beispielsweise die Vermischung der Bereiche UX und UI ein großes Problem dar. Und eine solche Ungewissheit öffnet leider auch Tür und Tor für Blender, die sich dem Unternehmen als eierlegende Wollmilchsau verkaufen und die “perfekte Lösung” in Sachen UX und UI versprechen. Diese eierlegende Wollmilchsau gibt es meiner Erfahrung nach jedoch nicht. Um das zu verstehen, ist aber zuerst eine deutliche Abgrenzung von UX und UI nötig.

Das ist ein gutes Stichwort. Worin liegt denn für dich der Unterschied zwischen diesen Begriffen und welchen Tipp würdest du Unternehmen geben, die nach einem UX-/UI-Designer suchen?

Im User Interface Design kümmert man sich um alle visuellen Belangen wie Layout, Visual Design oder Branding. Im Bereich User Experience beschäftigt man sich hingegen viel mehr mit der Beantwortung der Frage “Wie soll etwas funktionieren?”. Dabei bewegt man sich sehr nah an der IT, muss Strukturen und Funktionalitäten eines Produktes wirklich verstehen und greift neben Research und Testing etwa auf User Stories und Personas zurück. Es sind einfach zwei völlig separate Felder, die einzeln betrachtet werden müssen. Dementsprechend empfehle ich auch jedem Unternehmen, sich zunächst sehr genau über die eigenen Probleme und Bedürfnisse klar zu werden, um anschließend wirklich an der richtigen Stelle anzuknüpfen.

Du selbst bist seit einiger Zeit als Freelancer unterwegs. Gibt es einen Grund, warum du deine Arbeit nicht in einer Festanstellung ausübst?

Die wichtigste Aufgabe des UXlers besteht darin, Lösungen zu finden. Das bedeutet vor allen Dingen, dass man ehrlich sein muss und bei der zu leistenden Überzeugungsarbeit keine Angst davor haben darf, dem Management mal auf den Schlips zu treten. Oft liegen Probleme viel tiefer in der Struktur eines Produktes verankert und lassen sich nicht durch “kleine UX-Tricks” lösen – so stellen es sich viele Entscheider nämlich leider vor, wenn Sie beschließen, die Usability zu verbessern. Um die Nutzererfahrung zu optimieren, kann es zum Beispiel erforderlich sein, den gesamten Aufbau einer Website anzupassen oder Menüstrukturen grundlegend zu ändern. Dass ein solches Aufzeigen von Problemen nicht immer auf Begeisterung trifft, weil es häufig mit Kosten und Aufwand verbunden ist, versteht sich dabei wohl von selbst. Der wahre UXler ist daher auch immer ein Bisschen der “Buhmann” und nicht selten stößt er mit seinen Optimierungsvorschlägen auf taube Ohren. Darum fühle mich als Freelancer wesentlich wohler, da ich mir meine Kunden selbst aussuchen kann, nicht so sehr an ein einziges Unternehmen gebunden bin und langfristig kein großes Frustrationsrisiko besteht, falls meine Arbeit mal nicht richtig verstanden wird.

Was muss ein potenzieller Kunde denn mitbringen, damit du dich wohlfühlst?

Ein Verständnis für meine Arbeit ist schonmal eine gute Basis, damit ich mich in einem Unternehmen wohl fühlen kann. Wenn ich merke, dass meine Verbesserungsvorschläge Gehör finden, weiß ich auch, dass das Produkt davon profitieren wird. Ist diese Grundlage geschaffen, geht es für mich darum, Probleme mit viel Kreativität und unter großem Einsatz von Gehirnschmalz zu lösen. Besonders wenn ich es schaffe, ein scheinbar unlösbares Problem zu knacken, fühle ich mich pudelwohl in meinem Beruf.

Und wie wird man ein (guter) UX-Designer?

Auf jeden Fall sollte man Spaß an komplexen Systemen und Zusammenhängen haben und einen Sinn für Organisation und Strukturierung mitbringen. Für jemanden, der beispielsweise gerne an Dingen bastelt, Probleme löst und auch im größten Kabelsalat noch den Überblick behält, könnte auch der UX-Bereich interessant sein. Auf fachlicher Ebene muss ein UX-Designer das Produkt technologisch durchdringen können. Die ideale Basis dafür sind eigene Erfahrungen in der Softwareentwicklung, wobei die eigentliche Programmiersprache kaum eine Rolle spielt, sondern eher das Verständnis für die verwendeten Strukturen und Prozesse. Zudem sollte man das Ganze auch mit wirtschaftlichen Prozessen und Zusammenhängen in Verbindung bringen können. Wenn man dann noch in der Lage ist, komplexe Themen in verständliche Worte zu verpacken und Menschen zu überzeugen, erfüllt man meine Idealvorstellung eines UXlers.

Das klingt spannend, aber auch ziemlich anspruchsvoll. Wie bist du denn selbst zu diesem umfassenden Skillset gelangt?

Ich habe Wirtschaftsinformatik studiert und mir damit, ohne es zunächst überhaupt zu wissen, die ideale theoretische Basis für die Arbeit als UXler angeeignet. Der große Vorteil dieses Studiums besteht darin, dass man das nötige Handwerkszeug erlernt, um sowohl mit Entwicklern, als auch mit den Stakeholdern auf Augenhöhe zu kommunizieren. Und genau an dieser Schnittstelle ist die Position des UX-Designers angesiedelt.

Eigentlich bist du also sowohl Problemlöser als auch Vermittler. Wie kann man sich den Vorgang der Problemlösung konkret vorstellen?

Jedes Problem stellt eine völlig neue Herausforderung dar und es gibt natürlich kein Schema, welches man universell anwenden kann. Man benötigt ein handfestes Set von Tools und Methodiken, die man wirklich beherrscht und individuell einbringen kann. In meinem Fall beginnt die Problemlösung meistens mit einem genauen Nachzeichnen der User Journey sowie einer intensiven Konkurrenzanalyse. Best Practices sind eine ideale Gelegenheit, um sich inspirieren zu lassen und den Horizont für neue Möglichkeiten zu öffnen, die zuvor vielleicht gar nicht im Raum standen.

Macht es dabei einen großen Unterschied, ob ein Produkt neu aufgezogen wird oder bereits etabliert ist?

Es ist immer angenehmer, an einem bereits existierenden Produkt zu arbeiten, anstatt etwas “von der grünen Wiese” neu aufzuziehen. Bei neuen Produkten gibt es noch keine konkreten Erfahrungswerte hinsichtlich des Verhaltens der Zielgruppe. Diese sind jedoch essentiell, um eine vernünftige User Experience zu kreieren. Manchmal kommt es sogar vor, dass Gründer das Produkt noch gar nicht klar abgesteckt haben. In solchen Fällen gerät man sehr schnell ins Schwimmen, was eine gute UX nahezu unmöglich macht.

Wie eingangs erwähnt, scheint das Thema User Experience für die Zukunft der IT-Branche immer wichtiger zu werden. Wie steht es denn um deine eigenen Zukunftspläne?

Eines meiner persönlichen Ziele ist es, irgendwann eine Art Ranch zu besitzen und zusammen mit meiner Familie als Selbstversorger mit allem Drum und Dran zu leben. Ich kann mir sehr gut vorstellen, den Stress des Alltags völlig hinter mir zu lassen und mich nur noch Dingen zu widmen, die mir Freude bereiten. Mein Faible für Problemlösungen wird mich natürlich dennoch weiter begleiten. Schon jetzt tüftle ich in meiner Freizeit gerne an Erfindungen, die einem den Alltag erleichtern können. Wer weiß, was sich daraus noch entwickelt. (lacht)

Na, dann sind wir mal gespannt, ob wir noch von der einen oder anderen Erfindung aus dem Hause Vitkovic hören werden. Vielen Dank Zoran für das interessante Interview!