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Checkliste: Das muss eine gute Berufshaftpflicht für IT-Freelancer leisten

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Im ersten Teil dieser Serie hat Versicherungsexperte Ralph Günther von exali.de anhand realer Schadenfälle aufgezeigt, welche Haftungsrisiken für IT-Freelancer besonders hoch sind und inwiefern sich eine entsprechende Versicherung lohnen kann. Im folgenden Beitrag hat er nun eine Übersicht an Kriterien zusammengestellt, die eine IT-Haftpflicht erfüllen sollte, um im Ernstfall wirklich zu schützen.

Foto Ralph Günther

Unser Gastautor: Ralph Günther
Autor, Versicherungsexperte und Gründer von exali.de

Ralph Günther ist Experte für Risikomanagement und spezifische Versicherungslösungen im Bereich IT, Media und Consulting. Als einer der Vorreiter im Online-Versicherungsbusiness hat er aktiv an der Verbesserung des Versicherungsschutzes für diese Bereiche mitgewirkt und neue Leistungserweiterungen am Markt eingeführt.

Ralph Günther ist zudem Gründer des Versicherungsportals exali.de. Er schreibt als Fachautor in relevanten Medien sowie wöchentlich auf seinem Blog Vermögensschaden: Versicherung neu denken.

Checkliste: Das braucht eine gute IT-Haftpflicht

Die individuellen Bedürfnisse von IT-Experten sind ebenso verschieden wie die beruflichen Herausforderungen, die auf Freiberufler und Dienstleister in der IT-Branche warten. Deshalb ist es wichtig darauf zu achten, dass die IT-Haftpflicht für die je aktuelle Situation angepasst ist und mit dem Business des IT-Experten wächst.

Die wichtigsten Versicherungskriterien im Überblick:

1. Offene Deckung
Eine offene Deckung bedeutet, dass die IT-Haftpflicht keine abschließende Liste an Risiken und Tätigkeiten hat, die versichert sind, sondern generell alle Tätigkeiten des IT-Dienstleisters absichert. Es sei denn, sie sind explizit in den Bedingungen ausgeschlossen.

2. Überschneidende Tätigkeiten
Da es im IT-Bereich häufig Überschneidungen mit anderen Tätigkeitsbereichen (wie Medien- und Beratungsdienstleistungen) gibt, sollten diese Überschneidungen ebenfalls abgedeckt sein.

3. Weltweiter Versicherungsschutz
Eine gute IT-Haftpflicht sollte mindestens Tätigkeiten in Europa und der Schweiz abdecken. Je nach Aufgabenschwerpunkt des Freiberuflers empfiehlt sich ein weltweiter Versicherungsschutz, der auch für Rechtsverletzungen gelten sollte.

4. Rechtsverletzungen Dritter abgesichert – auch bei grober Fahrlässigkeit
Rechtsverletzungen wie Urheberrechts-, Lizenz-, Marken-, Namens-, Persönlichkeits- und Datenschutzrechtsverletzungen sollten über die IT-Haftpflicht versichert sein. Auch dann, wenn seitens des IT-Freelancers grob fahrlässig gehandelt wurde. Zudem sollte der Versicherungsschutz für Rechtsverletzungen nicht von einer vorgeschriebenen Prüfung der Leistung durch Anwälte im Voraus abhängig gemacht werden.

5. Veröffentlichungsrisiken
Neben direkten Rechtsverletzungen durch die erbrachte Leistung sollte die IT-Haftpflicht auch Ansprüche wegen der Veröffentlichung von Inhalten (Veröffentlichungsrisiken) auf eigenen Webseiten, Blogs oder Social Media Profilen des IT-Experten versichern.

6. Keine Experimentier- und Erprobungsklausel oder „Stand der Technik-Klausel“
Mit einer Experimentier- und Erprobungsklausel oder „Stand der Technik-Klausel“ hält sich der Versicherer ein Hintertürchen offen. Wurde das Produkt/Programm nicht ausreichend getestet oder entsprich nicht dem neuesten Stand der Technik, muss der Versicherer nicht zahlen. Solche Klauseln also unbedingt vermeiden.

7. Vertragliche Haftung sollte übernommen werden
Neben der gesetzlichen Haftung sollte die Versicherung auch bestimmte Bereiche der vertraglichen Haftung abdecken, wie Verstöße gegen vertragliche Geheimhaltungs- und Datenschutzvereinbarungen (so genannte „Non Disclosure Agreements“).

8. Umsatzausfall und Mehrkosten
Fehler im IT-Bereich führen häufig zu Umsatzeinbußen beim Kunden und/ oder zu Mehrkosten, z.B. bei Programmierfehlern, Fristversäumnissen, Systemausfällen etc. Daher sollten Erfüllungsfolgeschäden in der IT-Haftpflicht mit abgedeckt sein.

9. Überschreitung von Deadlines
Auch Verzögerungen im Projekt und daraus resultierende Schäden (sog. Erfüllungsfolgeschäden) sollten in der IT-Haftpflicht mitversichert sein.

10. Absicherung von Eigenschäden durch Leistungserweiterungen
Um den unterschiedlichen Businessmodellen im IT-Bereich gerecht zu werden, sollte die IT-Haftpflicht ggf. um Leistungserweiterungen zur Absicherung von Eigenschäden ergänzt werden können, wie

  • vergebliche Aufwendungen durch den Rücktritt des Auftraggebers vom Auftrag auf Werkvertragsbasis (Rücktritt vom Projekt)
  • ausstehende Honorare nach außerordentlicher Kündigung des Dienstvertrags (Zusatzschutz für Projektverträge)
  • Eigenschäden durch Hackerangriffe oder sonstige Internet-Kriminalität (Cyber-Eigenschaden-Deckung) sowie
  • die persönliche Haftung (Organhaftung) als Geschäftsführer (D&O Versicherung).

Grundsätzlich rate ich meinen Kunden immer dazu, sich einen Spezialversicherer aus dem IT-Bereich zu suchen. Auch wenn freiberufliche IT-Dienstleister mit einer Versicherung im privaten Bereich gute Erfahrungen gemacht haben, bedeutet das nicht, dass diese auch das spezifische Expertenwissen besitzt, um die speziellen beruflichen Risiken umfassend und durchdacht abzusichern.