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Backups & Pranks: Warum wir den World Backup Day feiern.

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Unangenehme Frage: Wann haben Sie Ihr letztes Backup gemacht? Na? Oder gehören Sie etwa zu dem knappen Drittel der User, die ihre Daten niemals sichern? Da würde sich der World Backup Day am 31.03. doch perfekt anbieten, um das zu ändern. Unser Kollege Daniel H., wie so einige hier bei next level ein Connaisseur des gepflegten Büro-Streichs, verrät, warum das Datum ganz gut gewählt ist – und wie lange sein letztes Backup her ist.

Katzenbilder im Datenloch
Auf Nimmerwiedersehen, Katzenfotos! Datenverlust tut weh. Grafik: Bylle Bauer.

Den “World Backup Day” am 31. März gibt es seit 2011. Ins Leben gerufen wurde er auf Reddit von dem damaligen Biologiestudenten Ismail Jadun, der zufällig nebenbei auch als Webdesigner kleine Firmenwebsites optimierte. Der Erfolg der Kampagne gegen Datenverlust freute die gesamte Backup-Industrie, die den Tag entsprechend promotete und damit irgendwie offiziell machte. Aber ob damit einer Branche in die Hände gespielt wird oder nicht: Backups sind durchaus wichtig, das weiß im Innern jede/r von uns.

Mutti hat’s immer gesagt: Mach schön dein Backup!

Hinterher sind Trauer und Entsetzen sonst vermutlich groß. Beim “Hinterher”, dem völligen Verlust bedeutender Daten, sind Viren und Trojaner nicht mal das Hauptproblem: Die Halbwertzeit der Festplatte ist bedenklich kurz. 50% geben bereits nach fünf Jahren den Geist auf. Und mit ihm alle Notizen, Tabellen, Dokumente, Code: Werke vieler Stunden Arbeit, die manchmal echt hart waren. Von den emotional aufgeladenen Familienfotos, Digital Diaries, Liebes-Mails und Katzenbildern ganz zu schweigen.

Auf der Homepage des World Backup Days steht, dass 30 % der Nutzer noch nie eine Kopie ihrer Daten erstellt haben. Pro Minute würden zudem 113 Mobiltelefone mitsamt aller Inhalte gestohlen oder verloren gehen. In 29 % der Fälle von Datenverlust seien Unfälle wie Bruch, Diebstahl oder Wasserschaden verantwortlich. Einer von zehn Computern werde überdies pro Monat mit Viren infiziert. Woher der Schaden kommt, ist dem, der sein berufliches und privates “Leben” verloren hat, relativ egal. Zwar gibt es Hoffnung auf professionelle Recovery, die Kosten dafür gehen aber schnell in den dreistelligen Bereich. Reichlich Backup-Vorsicht ist also besser als “Hätte-ich-doch-nur-das-Geld-in-eine-weitere-HDD-investiert”-Nachsicht. Aber Sicherung ist nicht gleich Sicherheit, denn auch ein Backup kann beschädigt sein. Wer macht schon einen Wiederherstellungstest?

Warum der 31. März ein guter Tag für ein Backup ist

Irgendein Tag muss sowieso herhalten, manchmal kommt ja in Verbindung mit einem Datum ein bisschen Gruppendynamik auf, die motiviert, die Arbeit auf sich zu nehmen. Genauso wie der Clean Out Your Computer Day am zweiten Februarmontag... Wobei, hat den irgendwer befolgt? Zum Bürotrend wurde er jedenfalls nicht. Das verhält sich mit dem World Backup Day schon anders. Der Grund: Pranken gehört hier zum guten Ton. Auch wenn in dieser Hinsicht jeder Tag seine eigenen Tücken birgt, so ist der nachfolgende 1. April besonders gefährlich: Wer da nicht Home Office macht, ist eigentlich selber schuld.

Im Internet wimmelt es von coolen Bildern, die aufwändige Pranks von verunstalteten Büros zeigen – komplett voll mit Post-its, Folie, Styropor, Ballons, Geschenkpapier – you name it. Ein Bürostuhl wurde sogar durch eine echte Toilettenschüssel ersetzt. Wir finden, das ist nicht nur unrealistisch zeitintensiv, sondern auch viel zu auffällig für den Alltag.

Bürostreich mit Alufolie
Cool, aber im Alltag nicht wirklich praktikabel: Ambitionierte Bürostreiche. Quelle: Wikimedia.

“Es sind die kleinen Dinge”, nostalgiert unser Kollege Daniel, der bei weitem nicht als einziger bei next level den produktiven Arbeitsprozess gern mal mit einer Prise Quatsch würzt. Schmunzelnd lässt er Pranks Revue passieren, die sich bewährt haben. Maßstab hierbei ist definitiv die Intensität des hervorgerufenen Lachens, sowohl im Moment als auch retrospektiv. “Es muss aber wirklich ein lustiger Scherz sein, nichts Gemeines. Und es darf nicht immer denselben treffen, das wäre ja langweilig.” Schwingt hier eine versteckte Drohung mit, oder ist das paranoid? ;-) Sprich doch mal weiter, lieber Daniel!

“Kabel sind tolle Komplizen, sie lassen sich lockern, vertauschen oder einfach dazulegen, und schon fängt das Gegrübel und Herumprobieren an. Dieser Moment, wenn die Maus plötzlich lahm oder die Tastatur verstellt ist, am besten auf eine Sprache ohne lateinische Buchstaben… dafür muss jemand aber so leichtsinnig sein, den Bildschirm nicht zu sperren, wenn er sich einen Kaffee holen geht. Fake-Updates, die ewig dauern, waren auch eine Zeitlang in. Der umgedrehte Bildschirm ist ja ein Klassiker. Richtig witzig wird das aber erst, wenn man vorher ein Foto vom Desktop macht und dann die Monitoranzeige auf den Kopf stellt, den Screenshot als Hintergrundbild nimmt und die Startleiste ausblendet”, kichert Daniel.

No ESC
No Escape! Widerstand gegen Bürostreiche ist zweck- und sinnlos. Foto: Bylle Bauer.

Wirst Du geprankt, gehörst Du dazu!

Inzwischen hat sich eine kleine Gruppe von Kollegen in der Küche gebildet, wo wir uns unterhalten. Und jedem fällt ein, wie es ihn selbst mal getroffen hat. Prustend werden Einzelschicksale geschildert. Wir lachen uns kurz ein paar Äste, und durch diese scheint der Grund hindurch, warum wir bei next level solche kleinen, harmlosen Streiche als Teil unserer Kultur betrachten: Sie lockern unseren Alltag auf. Sie sind die kreative Pause, die nicht nur in der agilen Arbeitsweise einfach leistungssteigernd wirkt. Gemeinsam zu lachen ist nicht nur gesund, es baut uns als Team auf. Deshalb sind natürlich neue Mitarbeiter*innen erstmal Wild im Scheinwerferlicht, wenn es um kleine Pranks geht. Dieses Initiationsritual katapultiert jedoch jeden im Nullkommanichts mitten in den Kreis unserer next level-Familie. Und wir geben es zu: Der ein oder andere Neuling (d/m/w) hat schon mächtig gekontert und die Jäger ehrenvoll zu Gejagten gemacht.

Auch Backup-Profis lernen nicht aus

Spaß beiseite, Daniel, sag doch mal: Was machst Du denn so am 31. März, zufällig ein Backup? “Weil mir meine Daten beruflich und privat einfach zu wichtig sind, mache ich eigentlich sogar zweimal im Jahr ein Backup”, verrät Daniel. “Das meiste kommt auf externe Festplatten, insgesamt habe ich drei Partitionen an meinem Computer und mache deshalb auch von den wichtigen Daten mehr als nur eine Kopie. In der Cloud speichere ich auch manches, zum Beispiel meine Fortschritte bei verschiedenen Games oder Landschaftsbilder von unseren Reisen bei Google.”

Einfache NAS-Architektur
NAS is like… Einfache Network Attached Storage-Architektur, im Bild in Grau das NAS. Grafik: Bylle Bauer.

Der Cloud gegenüber herrscht mancherorts auch Misstrauen. “Die richtig wichtigen, privaten Daten speichere ich anderswo”, so Daniel. “Aber im Alltag ist das in vielen Dingen praktisch. Wobei mir da vor nicht allzu langer Zeit ein Murks mit einem generierten Passwort passiert ist. Das war nirgendwo gespeichert und ließ sich auch nicht zurücksetzen. Ich musste bei Google einen Restore beantragen, der fast zwei Wochen gedauert hat. Alles war lahmgelegt, ich hatte keinen Zugriff auf Passwörter und musste mir mit meinem neuen, leeren Überbrückungsaccount sogar ein neues Online-Banking einrichten. Das war mir zumindest in Sachen Passwörter eine Lehre. Sonst bin ich mit Backups eigentlich gut aufgestellt.”

Gut aufgestellt ist auch Christian, der sich gerade an der Küchenzeile hinter uns einen Shake mixt, und zwar mit einem NAS. “Mit meinem Netzwerkspeicher kann ich einfach direkt von allen Geräten im heimischen WLAN Daten überspielen. Das ist bequemer und dank RAID und Co. noch sicherer.”

Festplatte, Cloud, NAS: Für welche Art der Datensicherung Sie sich entscheiden, bleibt am Ende Ihnen überlassen. Für irgendeine, das wäre halt gut. Und dann können Sie sich besten Gewissens mit ein paar anderen Datensicherern in den Flur stellen und feierlich den auf der World-Backup-Day-Seite festgehaltenen (und bei Social Media teilbaren) Eid rezitieren, vielleicht mit der Hand auf dem Herzen. Wäre doch eine nett-verstörende Begrüßung für neue und/oder ungeweihte Kolleg*innen, oder nicht?

Backup-Eid
Der vielseitig verwendbare World Backup-Eid. Quelle: World Backup Day.