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Roboter beim Rugby: IT-Jubiläen am 21. Oktober

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Es gibt Daten, die sind IT-historisch irrelevant - und dann gibt es den 21. Oktober. Mit der Erscheinung der Scrum-Bibel und der ersten Version von Android gilt es, an diesem Tag gleich zwei bahnbrechende Entwicklungen in der IT-Welt zu würdigen.

Android-Roboter im Scrum Gedränge
Wir bringen zusammen, was zusammengehört und feiern das Jubiläum von Scrum und Android. Bild: Google, PierreSelim, Montage von Daniel Martin, CC BY-SA 3.0.

Scrum: In der Industrie entstanden, in der IT zuhause

Aber der Reihe nach: Am 21. Oktober 2002 schickten sich die US-amerikanischen Scrum Master Mike Beedle und Ken Schwaber an, die Vorzüge, Prozesse und auch No-Gos der von Ihnen praktizierten Projektmanagement-Methode standardisiert festzuhalten. Zwar wurde das dem japanischen Modell der “Lean Production” verwandte Scrum praktisch bereits seit Mitte der 90er-Jahre eingesetzt (primär in großen und innovationsfreudigen Unternehmen), ein in Stein gemeißeltes Manifest existierte allerdings noch nicht. Mit “Agile Software Development with Scrum” sollte sich das ändern. Das Ziel der Sache: Scrum umfassend unternehmerisch salonfähig und seine Methoden transparent zu machen.

Agile Development Cartoon
Agilität und Entwicklung alleine machen noch keinen Scrum Meister. Bild: Developer.com, CC BY-ND 3.0.

Gerade die Vereinheitlichung der Prozesse war schließlich auch die Grundlage für die 2003 beginnende Zertifizierungs-Praxis von Scrum Mastern und Co. Die “Scrum-Industrie” boomt: Unternehmen, Coaches und Consultants bis hin zum ins Scrum eingebundenen Entwickler – der Kontakt lässt sich im IT-Umfeld kaum vermeiden. Und auch in vielen anderen Bereichen hilft die Methodik mit den industriellen Ursprüngen dabei, Innovationen voranzutreiben. So sorgen kürzere inkrementelle Innovations-Zyklen für dynamische Reaktionen auf die Marktrealität und schaffen damit langfristig eine bessere Anpassung an die Anforderungen. Das ist nicht nur bei den Entwicklungszyklen eines einzelnen Projekts in individuellen Unternehmen so, sondern damit notwendigerweise auch perspektivisch auf der Makroebene für die gesamte Gesellschaft. Grund genug für uns, hiermit eine Lanze zu brechen für alle, die in agiler Mission unterwegs sind. Scrum on!

An Android’s Dream of a phone

T-Mobile G1, HTC Dream
Das erste Android Smartphone: HTC Dream aka T-Mobile G1. Bild: Michael Oryl, CC BY-SA 2.0.

Den zweiten Grund zum Feiern liefert uns der nostalgische Blick auf ein Smartphone, das heute einen gewissen Museumswert besitzt. Damals jedoch, anno 2008, war das HTC Dream mit 192 MB RAM, einem rasend schnellen SOC (384 MHz Spitzentakt!) und einer riesigen Bildschirmdiagonale von 3,2 Zoll ein Traum von einem Smartphone – als ob man jemals mehr bräuchte. Und als sei das noch nicht genug, lief darauf die erste Version einer noch bald wegweisenden Software, namentlich: Android, Version 1.0 “Base”.

Android: Von der Imitation zum Innovator

Damals wurde die Neuerscheinung jedoch eher als halbgare Imitation von Apples iPhone OS wahrgenommen und mit Skepsis betrachtet. Die Abwesenheit von Bildschirmtastatur und Videoaufnahme, die feste Bildschirmausrichtung, eine geringe App-Auswahl und andere Faktoren ließen die Konkurrenz noch außer Reichweite erscheinen. Google strengte sich jedoch an, diesem Missständen entgegenzuwirken, motivierte seine Dev-Community mit Hackathons und Ausschreibungen, erleichterte generell die Programmierung dank der offeneren Plattform und merzte die Kinderkrankheiten mit schnellen Versionsinkrementen aus. Mit Version 1.5, “Cupcake”, folgte schließlich auch die neue Nomenklatur, die jedem größeren Versionssprung eine Süßigkeit mit aufsteigender alphabetischer Reihenfolge zuwies – von Donuts über Marshmallows zu Oreos führt das Changelog entlang so mancher kulinarischer Leckerbissen.

Digitale Vielfalt durch Community

Die anfängliche Skepsis hat sich mittlerweile in Wohlgefallen aufgelöst: Die 85 % Marktanteil des OS unter den Smartphones werden von einer breiten Spanne von Geräten abgedeckt, vom Einsteigergerät bis zum absoluten Premium-Smartphone. Android machte so das Smartphone als solches für Einsteiger zu humanen Preisen nutzbar. Und dort hört die Verbreitung nicht auf, auch Consumer Electronics, IOT und so manches andere Feld hat Android längst durchdrungen. Kühlschränke, PKW, Uhren, Digitalkameras, Navigationsgeräte – der individuellen Anpassung sind kaum Grenzen gesetzt. Dazu trägt neben der Pflicht für alle Android-Smartphone-Hersteller, die jeweiligen Kernel-Quellcodes zu veröffentlichen, auch die damit einhergehende überaus aktive Entwickler-Community bei. Kurzum: Die Android-Welt ist ein riesiges und unüberschaubares Biotop von enormem Artenreichtum. Und so gebührt auch den Entwicklern, die uns bei dessen Erschließung helfen und damit nicht zuletzt unseren Alltag nachhaltig prägen, am 21. Oktober unsere Anerkennung.

Und jetzt an alle Scrum-Involvierten und Androiden-Bändiger: Weitermachen! Viel Erfolg bei der Weltverbesserung. :-)