Helden der IT

Ada Lovelace: Die Maschinenflüsterin

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Im 19. Jahrhundert dachte noch keiner an Computer. Keiner? Doch, eine kleine Gruppe Mathematiker und Analytiker um Charles Babagge und eine äußerst begabte Frau mit einer Schwäche für Maschinen: Ada Lovelace, die als die erste Programmiererin der Welt gefeiert wird. Unsere heutige Heldengeschichte erzählt von einer Frau mit großen Visionen in einer Welt, die Frauen den Zugang zu Wissenschaft verwehrte.

Ada Lovelace, Pionierin der Programmierung
So oder so ähnlich würde sie wohl heute bei der Arbeit aussehen: Ada Lovelace. (Bild gemeinfrei, bearbeitet von D. Martin)

Die Frau, die ihren männlichen Kollegen auf der theoretischen Ebene um circa 100 Jahre voraus war und deshalb heute noch als “erste Programmiererin der Welt” angesehen wird, wurde im Jahr 1815 in einen reichen und prominenten Haushalt hineingeboren: Der Vater war niemand Geringeres als der berüchtigte Poet und Schürzenjäger Lord Byron. Bereits als Ada Lovelace einen Monat alt war, verließ ihre Mutter den treulosen Ehemann. Von da an alleinerziehend, gab Annabella Byron ihr mathematisches Interesse an Klein-Ada weiter, der sie von Kindesbeinen an eine naturwissenschaftliche Ausbildung zuteil werden ließ. Mit Erfolg: Als ihre Mutter wegen Krankheit für längere Zeit ins Sanatorium musste, tüftelte das zwölfjährige Töchterlein an einer Flugmaschine, für die sie sogar ein Patent erhielt.

Schon damals wichtig: Eine stabile Connection (zur Royal Society)

Im Rahmen ihrer Mathematik-Studien lernte Ada unter anderem den Baron William King kennen, den sie im Alter von 19 Jahren heiratete. Da Frauen damals der Zutritt zu Bibliotheken verboten war, ließ dieser sich ihr zuliebe in die Royal Society aufnehmen und schrieb für sie Artikel ab. Dass Ada in der Ehe trotzdem unzufrieden war, lag daran, dass sie ihrer Meinung nach viel zu wenig Zeit mit Mathe und Musik verbringen konnte (Harfe spielte sie nämlich auch gern). Affären und Pferdewetten wurden Lovelaces Selbstmedikationen gegen diesen Frust.

Lovelaces Karriere kam schließlich dadurch in Schwung, dass ihr Freund und Chef Charles Babbage an dem Entwurf der Analytical Engine herumkonzipierte. Die von ihm erdachte, aber damals nicht gebaute mechanische Rechenmaschine wurde von dem Turiner Wissenschaftler Federico Luigi Menabrea wissenschaftlich beschrieben – auf französisch. Ada Lovelace begann, die technische Dokumentation ins Englische zu übersetzen und dabei auch unauffällig Menabreas Fehler zu korrigieren. Nachdem Babbage ihr klar machte, wie sehr er ihre Expertise schätze, kommentierte sie die Übersetzung so ausführlich, dass sie dreimal so dick war wie das französische Original. Und nicht nur das: Ada fügte ihren “Notes” (1843) einen Plan zur Berechnung von Bernoulli-Zahlen bei. Dieser Algorithmus in grafischer Darstellung machte sie faktisch zur ersten Programmiererin der Welt. Man munkelt, Ada Lovelace habe die Analytical Engine noch besser verstanden als Babbage selbst.

Das erste Computerprogramm, Ada Lovelaces Notiz G zur Berechnung von Bernoulli-Zahlen
Das erste Computerprogramm: Die Berechnung von Bernoulli-Zahlen. (Bild gemeinfrei)

Adas Vermächtnis

Generell war die Denkerin ihrer Zeit weit voraus. Als wahrscheinlich erster Mensch überhaupt sah sie die universelle Einsetzbarkeit eines Computers voraus, sofern dieser nur mit den richtigen Daten und Instruktionen ausgestattet würde. Wenn Zahlen berechnet werden konnten, so Ada, musste es für die Maschine auch möglich sein, mit Symbolen zu arbeiten, und damit sehr komplexe Aufgaben auszuführen und Antworten zu produzieren, die man nicht schon im Voraus kannte.

Maschinen waren zur damaligen Zeit auf dem Vormarsch, es wurden vermehrt “Automata” geschaffen, die menschliche Handlungen nachahmten. Im Gegensatz zum Computer jedoch waren diese endlich, sprich: die Menge der Zustände, die so ein Automat annehmen konnte, war begrenzt. Lovelaces Anliegen war, die Analytical Engine klar von den Automata abzugrenzen. Als vorsichtig und fast schüchtern, jedoch absolut richtig, stellten sich ihre Prognosen heraus, dass die Maschine vielleicht auch in der Lage sei, Musik abzuspielen oder Grafiken zu erstellen. Bei dieser visionären Energie hätte sie es wahrlich verdient, die letztendliche Realisierung des Konzepts mitzuerleben. Das war Lovelace leider nicht vergönnt: Mit 36 Jahren erlag sie ihrer Krebserkrankung. Als Namenspatin der Programmiersprache “Ada” ist Sie uns dennoch bis heute erhalten geblieben.

Und ihr Werk? Erst im Laufe des 2.Weltkriegs entdeckte der britische Logiker und Mathematiker Alan Turing Lovelaces Notizen wieder. Drei Jahre arbeitete er am Design der daraus abgeleiteten, berühmten Automatic Computing Engine. Aber das ist eine andere Heldengeschichte…